Ein Bio-Brot vom Brunnenmarkt ein Brunch am Yppenplatz, und dabei schaukeln die stilsicher gewandeten Kinder in teuren Gefährten. Wir ahnen: Was so angestrengt unangestrengt aussieht, muss ganz schön viel Arbeit sein. Das Leben zwischen Bohemien und Bourgeoisie, kurz Bobo, beleuchtet Filmemacherin Marie Kreutzer an einem Scheidepunkt. "Was hat uns bloß so ruiniert" zeigt drei befreundete Wiener Paare Mitte dreißig, irgendwie kreativ und lässig links-alternativ. Junggeblieben also. Was aber passiert, wenn Junggebliebene Eltern werden? Damit ist der Weg zum Spießbürgertum schon beinahe eingeschlagen. Aber als Stella (Vicky Krieps) und Markus (Marcel Mohab), Ines (Pia Hierzegger) und Chris (Manuel Rubey), sowie Mignon (Pheline Roggan) und Luis (Andreas Kiendl) gleichzeitig Kinder bekommen, haben sie nicht vor, dem Lebensstil der eigenen Eltern zu verfallen. Also muss der Planet geschont, das Selbst verwirklicht, die Beziehung im Lot und der Nachwuchs in der anthroposophischen Kinderkrippe vegan und zuckerfrei ernährt sein. "Alles chillig, alles bio" eben.

Kreutzer blickt auf die Befindlichkeiten materiell abgesicherter Großstädter, die vom Kinderkriegen, genau wie vom Leben, nichts Geringeres als konstante Glückseligkeit erwarten und daher enttäuscht werden. Der Film kratzt an der Oberfläche, aber vielleicht ist es genau das: Denn es geht um Oberflächlichkeiten. Den Schein eines unspießigen Lebens zu wahren, ist ungeheuer anstrengend. Am chilligsten wäre da, genauso zu werden wie seine Eltern.