Michael Kreihsl hat nach 15 Jahren wieder einen Kinospielfilm gedreht, dessen offene Episodenform gefällt. "Liebe möglicherweise" ist wie ein Kessel aus Lebensentwürfen, die Kreihsl hier miteinander vermengt, aufeinandertreffen lässt und wieder trennt. Der Regisseur zeigt Menschen in der Großstadt, denen die eigenen Ziele und Träume längst entglitten, wenn nicht gar über den Kopf gewachsen sind. Der verheiratete Familienvater (Devid Striesow) lässt sich mit der Freundin (Edita Malovcic) seines besten Freundes (Norman Hacker) ein, weil er an einer Midlife-Crisis laboriert, die ihm sogar den Job gekostet hat. Seine Ehefrau (Silke Bodenbender) kommt hinter den Betrug, und andernorts laboriert der greise Vater (Otto Schenk) des Betrogenen an seinen Altersleiden, nicht jedoch ohne noch immer von der Aura der Frauen fasziniert zu sein. "Liebe möglicherweise" hätte auch eine fahrige Nummernrevue mit Depressionscharakter werden können, doch Kreihsl liebt seine Figuren und auch ihre Ambivalenz zwischen Glück und Unglück, die er sehr fein dosiert inszeniert. Es ist ein Film aus dem Leben geworden, und er erinnert manchmal an Hanekes frühe Arbeiten, etwa an "Lemminge" (1979), das die Befindlichkeiten der Nachkriegsgeneration abbildete.

Doch Kreihsl setzt Hanekes Strenge und Pessimismus immer auch ein Quäntchen Freude entgegen und tariert sehr genau aus, wie wir als Zuschauer die Gefühle der Protagonisten wahrnehmen. Famos besetzt, ist der Film auch Gesellschaftsstudie; es geht um Menschen, die fest im Leben stehen und doch völlig hilflos sind.