Zu Beginn lässt sich über eine hysterische Juliette Binoche in prachtvoller Aristokraten-Panier noch herzlich lachen, über die nicht weniger königliche Valeria Bruni-Tedeschi ebenso, über Fabrice Luchini muss man lachen, egal, was er spielt. Sie alle sind bourgeoise Sommerfrischler, die sich an der Normandieküste einfinden, um hier in der guten Luft bei Calais dem Dasein zu frönen und den Muschelsammlern zuzuschauen. "Die feine Gesellschaft", eine Groteske von Bruno Dumont, ist ein Bassin voller Skurrilitäten, in der reiche Städter anno 1910 in einem erhöht an der Küste erbauten Landhaus residieren, von dem aus es sich famos verächtlich auf die Arbeiterschaft hinabsehen lässt.

In diesem Sommer 1910 ist aber alles ein bisschen anders als sonst, denn da, wo malerische Schiffswracks im Sandstrand ruhen, verschwinden immer wieder Menschen, spurlos. Irgendwie etwas damit zu tun hat augenscheinlich der Fischer Rohbrecht (Thierry Lavieville), der zusammen mit seinem Sohn (Brandon Lavieville) Menschen über die See befördert. Alle nennen ihn "Ma Loute" (der Originaltitel des Films), den Lümmel. Als eben dieser Lümmel eines Tages die Töchter der wohlhabenden Familie van Peteghem übers Meer schleppt, verliebt er sich in Billie van Peteghem (Raph) - und vice versa. Problematisch, bei diesem großen Standesunterschied, bei dem einfache Fischer plötzlich mit der feinen Gesellschaft an einem Tisch sitzen müssen. Doch dann verschwindet auch Billie von der Bildfläche - und die Fischerfamilie gerät unter Verdacht, dass sie daran nicht ganz unschuldig ist. Beweise werden einfach dem Nahrungskreislauf zugeführt, um nicht weiter aufzufallen.

Tatsächlich sind die zarten Avancen zwischen Lümmel und Billie die Garantie dafür, dass Bruno Dumonts pittoreske Komödie eine Zeit lang durchaus auch poetische Züge annimmt; die Protagonisten aus den Abteilungen "Sonderbar" und "Wunderlich" haben nämlich sonst nur recht Belangloses zu plaudern, und ihre genervte, energische Hysterie, mit der der Adel übers Land wetzt, langweilt spätestens beim dritten Auftritt von Binoche. Oder besser: Ihr Gegacker im Dauerlamento-Modus schlägt bald derart aufs Gemüt, dass man sich wünscht, sie möge als Nächste spurlos verschwinden.

Kitsch und Klamauk

Dumont hat eine Komödie gedreht, die nicht lustig ist. Das Auffüllen seiner zugegeben grandios gefilmten Bilder (Kamera: Guillaume Deffontaines) mit Kitsch und Klamauk läuft sich bald tot am feinen Sandstrand der Normandie. Pointen gibt es hier keine, nur ulkige Figuren; das genügt für die Idee eines Skurrilitätenkabinetts, vielleicht für eine Karikatur, einen Bilderwitz in einer Illustrierten, nicht aber für eine Filmerzählung, die nicht einmal als Sammlung flapsiger Sketche funktioniert. Wie auch, ohne Pointen?

Einen Höhepunkt hat Dumonts "Die feine Gesellschaft" aber, und er gehört ins Reich des Slapstick. Die Polizisten Böswald (Cyril Rigaux) und Blading (Didier Després), die das ungeklärte Verschwinden der Menschen aufklären sollen, sind ein "Dick und Doof"-Duo par excellence. Es ist ein wunderbarer Moment, in dem der schwer übergewichtige Blading auf dem Gipfel einer Düne, die zum Meer hin abfällt, beschließt, den für ihn kürzesten Weg zum Wasser zu wählen und sich rund wie eine Kugel den Strand runterrollt. Das passt in diesen Film, und es ist schon lustig, irgendwie.