• vom 17.05.2017, 15:58 Uhr

Kultur

Update: 17.05.2017, 17:42 Uhr

Film

Götterdämmerung




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Von Susanne Veil

  • Ridley Scott geht in "Alien: Covenant" erneut auf Schöpfersuche.



Ein bisschen mehr als Zufall im Biogemisch sollte es doch sein für die Menschheit. Wir fühlen uns zu Höherem berufen, weil wir uns weigern, "zu glauben, dass die Menschheit das bloße Nebenprodukt eines molekularen Zustandes ist". So heißt es im Spielfilm "Alien: Covenant". Wir befinden uns im Jahr 2104, zehn Jahre nach dem das Schiff Prometheus verschwand. Die Besatzung der Covenant ist auf dem Weg, neue Welten zu besiedeln, als sie durch eine unerwartete Sterneneruption wachgerüttelt wird. Sie empfängt menschliche Signale von einem scheinbar bewohnten Planeten, was sie dazu bewegt, einen Abstecher einzulegen.

Ridley Scott, Hollywoods Meister für das Übermenschliche, plant eine Trilogie, welche die Anfangsgeschichte seines Klassikers "Alien" von 1979 erzählt. "Alien: Covenant" bildet nun nach "Prometheus" den zweiten Teil der Reihe. Im ersten hatte Scott schlafende Geister geweckt. Weil man irgendwo da draußen einen Schöpfer der eigenen Spezies zu finden hoffte, hatte man genau das Gegenteil losgetreten - Gewalt und Zerstörung.


So tritt die Crew der Covenant nun in die Fußstapfen der einzigen Überlebenden der Prometheus. Sie hatte zwar die Schöpfer der Menschheit gefunden, gleichzeitig aber auch das Mittel zu dessen Zerstörung.

Geschöpf wird Schöpfer
Dass Scott auch in seinem neuesten Prequel existenzielle Fragen zu stellen gedenkt, wird bereits an seinem Eröffnungsbild deutlich: Genauso wie bei "Blade Runner" ist die Großaufnahme eines Auges zu sehen, nur diesmal ist es das des Androiden David (Michael Fassbender). Bei Ridley Scott lässt sich die Schöpferfrage nicht nur in die eine Richtung stellen: Wer hat uns geschaffen? Sondern vielmehr: Wen erschaffen wir?

Folgerichtig nehmen die Androiden in der Reihe der Alien-Filme einen zunehmend wichtigeren Part ein. Michael Fassbender liefert in seiner Rolle als menschliche Maschine eine beeindruckende schauspielerische Leistung ab. Diese Roboter waren immer unverstandene Diener, denen wahlweise Seele, Gefühle oder freier Willen abgesprochen wurde.

In "Prometheus" stellte Ridley Scott die Frage nach dem Glauben, in "Covenant" spinnt er den Gedanken weiter: Einerseits glaubt man nun an einen gütigen Schöpfer, andererseits geizt man gegenüber der eigenen Schöpfung an Güte. Um diesem Paradox auf den Grund zu gehen, spart Scott nicht an kulturellen Referenzen - von Michelangelos "David" über Miltons "Paradise Lost" bis hin zur Musik von Wagners "Einzug der Götter in Walhall". Im Gegensatz zu seinem Klassiker "Alien" ist Ridley Scott heute weniger interessiert an der Frage, was man da draußen findet, sondern was man hinbringt.

Das verhilft dem Horror zu einer neuartigen Wendung. Die ist nötig, schließlich besteht spannungstechnisch das Problem, dass man die Kreatur, welche in "Alien" ihren Schrecken aus dem Unbekannten erhielt, mittlerweile ganz genau kennt. Bevor es noch einmal ausgesprochen wird, ist überdeutlich, dass man bis in die entferntesten Weiten des Alls nichts Unbekanntes finden wird, sondern nur das, was man selbst dorthin mitgebracht hat.

science fiction

Alien: Covenant, USA 2017

Regie: Ridley Scott

Mit: Michael Fassbender u. a.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-05-17 16:03:05
Letzte nderung am 2017-05-17 17:42:51



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