• vom 17.05.2017, 15:57 Uhr

Kultur

Update: 18.05.2017, 11:00 Uhr

HellorHighWater

Früchte des Cowboy-Zorns




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Thomas Fanta

  • "Hell or High Water" zeichnet im Westernlook ein trostloses Bild der Gegenwart in Texas.

Geld muss her: Ben Foster und Chris Pine. - © Parkcircus/cbsfilms

Geld muss her: Ben Foster und Chris Pine. © Parkcircus/cbsfilms

"Come hell or high water" ist eine Redensart, etwa "Komme, was da wolle". Das trifft auch für die Brüder Toby (Chris Pine) und Tanner (Ben Foster) zu. Sie stehen vor dem Nichts, haben nichts mehr zu verlieren in einem düsteren, trostlosen Texas.

Früher waren sie Freiheit atmende Cowboys. Jetzt müssen sie sich verausgaben ohne Aussicht auf angemessenen Lohn. Traditionen und Lebensweisen sind im Niedergang. Oder wie ein Indianer meint, damals hätten die Weißen seinen Vorfahren das Land geraubt, nun seien es die Banken, die den Weißen das Land rauben.


Das bekommen auch die Brüder zu spüren. Wegen der hohen Hypotheken auf ihre geerbte, schäbige Ranch droht der Zwangsverkauf. Wobei Tanner alles andere als ein Musterknabe ist. Der Jähzornige wurde vor einem Jahr aus dem Knast entlassen, wo er zehn Jahre wegen Mordes am brutalen Vater saß. Toby hingegen, der eigentliche Besitzer der Farm, lebt zwar von seiner Frau und den beiden Söhnen getrennt, will den Jungs aber das Anwesen überlassen, damit sie nicht in Armut leben müssen.

Egal, was da kommt: Geld muss her. Also kommen sie auf die Idee, die Banken, die sie ausgeraubt haben, selbst auszurauben. Anfangs scheint alles wie geplant zu funktionieren, doch dann kommt ihnen der knorrige Texas Ranger Marcus Hamilton (Jeff Bridges) auf die Spur, der vor seiner Pensionierung noch einen Erfolg verbuchen will. Dadurch nimmt alles einen anderen Verlauf.

Das Heist-Drama folgt zwar vordergründig den Western-Schemata, Rahmen und Genremittel sind bekannt. Doch, in die Neuzeit verlegt, wird daraus eine geradezu lakonische Analyse des Provinzlebens im heutigen Amerika.

Der Blick fällt auf stillgelegte Industriegebiete, Verkaufsschilder, trostlose brüchige Fassaden. Profit streichen nur die Banken ein, die alles im Griff haben. So entstehen Früchte des Zorns. An das sozialkritische Meisterwerk von John Steinbeck samt dem unbeugsamen Lebenswillen erinnert vieles in diesem "No Country for Poor Men". Ja, auch die Coen-Brüder schimmern durch. Tolle Akteure, glaubhafte Bruderliebe, eindrucksvolle Schauplätze sowie Country Klänge von Nick Cave und Warren Ellis ergänzen die moderne Ballade zu einem kleinen, aber bildgewaltigen Meisterwerk.

thrillerdrama

Hell or High Water, USA 2016

Regie: David Mackenzie Mit: Ben Foster, Chris Pine, Jeff Bridges




Schlagwörter

HellorHighWater

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-05-17 16:03:08
Letzte nderung am 2017-05-18 11:00:05



Meinung

Jetzt muss es der Kaiser richten

Der ORF hat mit der Reform seines chronisch schwächelnden Werbeträgers ORFeins kein Glück. Wurde eben noch der Freitag-Hauptabend reformiert... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. #MeToo: Philharmoniker von Musikuni entlassen
  2. Musik für Genießer
  3. Kontrollierte Freiheit
  4. Das Luder, das in Harvard spricht
  5. Zuerst Hip, dann Hop und weg
Meistkommentiert
  1. Helene Fischer fand Auftritt der Rapper "beschämend"
  2. Eine Frage der Spannung
  3. Ritter der Extreme
  4. Beethoven in der Manege
  5. DJ Avicii starb im Oman

Das Siegerfoto mit dem Titel "Venezuela Krise", es zeigt einen 28-jährigen Mann mit brennendem Oberkörper während heftiger Proteste gegen Präsident Nicolas Maduro in Caracas im Mai 2017. 

Romy Schneider wurde am 23. September 1938 als Rosemarie Magdalena Albach in Wien geboren. Die Schauspielerei ist ihr in die Wiege gelegt geworden: Ihre Eltern und sogar ihr Ururgroßvater waren Schauspieler. Ihren Künstlernamen verwendete sie kurz nach ihrer ersten Filmrolle in den 1950ern. August Sander, Putzfrau, 1928

Die Schauspielerin Tiffany Haddish posiert auf dem roten Teppich. Bille August.


Werbung



Werbung


Werbung