• vom 07.06.2017, 16:47 Uhr

Kultur

Update: 07.06.2017, 21:22 Uhr

Filmkritik

Wie geht Ausländisch?




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Von Matthias Greuling

  • Arman T. Riahi macht bei seinem Langfilmdebüt "Die Migrantigen" aus dem Ausländerthema eine griffige, intelligente Sozialkomödie.

Spiel mit Stereotypen: "Die Migrantigen" Faris Rahoma (l.) und Aleksandar Petrovi . - © Golden Girls Film

Spiel mit Stereotypen: "Die Migrantigen" Faris Rahoma (l.) und Aleksandar Petrovi . © Golden Girls Film

Benny (Faris Rahoma) und Marko (Aleksandar Petrović) sind das, was man "Österreicher mit Migrationshintergrund" nennt. Sie sind ausgezeichnet integriert, und wenn man nicht weiß, dass sie fremdländische Wurzeln haben (wie die meisten Wiener übrigens), dann würden sie nicht weiter auffallen.

Benny verdingt sich als Schauspieler, kassiert viele Absagen (darunter auch von Josef Hader), Marko arbeitet in der Werbebranche und verliert seinen Job. Für beide stehen die Zeichen also nicht unbedingt auf Durchstarten. Weshalb es ihnen gerade recht kommt, als sie im fiktiven Wiener Stadtteil Rudolfsgrund von der Fernsehredakteurin Marlene Weizenhuber (Doris Schretzmayer) angesprochen werden. Die sucht mit ihrem Team nach "typischen" Ausländern, die in Wien in ihren Parallelwelten leben, für eine Doku-Soap, die eher Klischees schürt denn sie zu entkräften.

Information

Komödie
Die Migrantigen, Ö 2017
Regie: Arman T. Riahi. Mit Aleksandar Petrović, Faris Rahoma, Doris Schretzmayer, Josef Hader, Dirk Stermann

Benny und Marko wittern ihre Chance und schalten blitzschnell um auf Gangsta-Style: "Was geht, Oida?" Weil die erste Folge mit den beiden Lügen-Ausländern ein echter Hit wird, müssen sie nun weiterhin die Rolle von schlecht integrierten Migranten mit heftigem Akzent und zwielichtigem Umgang spielen und sehen sich dabei natürlich auch im "Milieu" um, damit sie auch lernen, wie das so geht, das Ausländisch.

Eine Komödie über (zu) gut integrierte Migranten zu drehen, ist höchst erfrischend angesichts der realen Spannungen in der Gesellschaft, die zumeist auf Missverständnissen beruhen. Das zeigt Arman T. Riahis erster Langfilm "Die Migrantigen" schonungslos auf. Die Verdichtung des Stoffes von der ursprünglich als TV-Serie "Neue Wiener" geplanten Story auf eine Kinokomödie hat genug Elan gebracht, um von vorne bis hinten ohne Durchhänger erstklassig zu unterhalten. Man kann den Film aber auch als Ausrufezeichen begreifen, bei Migranten in Österreich durchaus einen zweiten Blick zu riskieren, bevor man sein (Vor-)
Urteil fällt.

Riahis Humor ist jedenfalls hart und direkt, dann und wann subtil, oft schwarz und vor allem pointiert im Umgang mit hartnäckigen Klischees. Die Sozialkritik hat er mit seinem Humor eingewickelt und daneben auch noch eine treffende Mediensatire gedreht. Geht voll, Oida!





Schlagwörter

Filmkritik, Die Migrantigen

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-06-07 16:50:06
Letzte Änderung am 2017-06-07 21:22:14


Kommentar

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