• vom 27.09.2017, 15:46 Uhr

Kultur

Update: 28.09.2017, 15:06 Uhr

Wir töten Stella

Trägheit des Herzens




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Von Thomas Fanta

  • "Wir töten Stella" ist stark, aber sehr verstörend.

Der Roman "Die Wand" (1963) ist wohl das wichtigste Werk von Marlen Haushofer, die 1970 im Alter von 49 Jahren starb. Ihre beschriebene Welt eines isolierten Lebens im Wald wurde zwar qualitätsmäßig gelobt, aber erst viel später verstanden, als erkannt wurde, wie intensiv und metaphorisch sie sich mit der Rolle der Frau in der Männergesellschaft auseinandersetzte.

In der Verfilmung von 2012 schrieb Martina Gedeck als Hauptfigur ihre Geschichte, um sich nicht in Einsamkeit zu verlieren. "Wir töten Stella" gilt als Prequel, ein dritter Teil soll folgen. Tatsächlich schließt vieles an. Martina Gedeck ist wieder Hauptdarstellerin, die Erzählerin Anna. Auch hier zieht sie sich zum Aufschreiben zurück. Diesmal über den Selbstmord der 19-jährigen Stella (Mala Embe), Tochter einer Freundin, die mehrere Monate bei ihr und ihrer Familie gelebt hatte. Die junge Frau ist schweigsam, scheu, bis sie von Annas Ehemann (Peter Simonischek) verführt, später zur Abtreibung gezwungen wird.


Anna schaut stets, statt zu reagieren. Die unsichtbare Wand in metaphorischer Bedeutung. Diese Trägheit des Herzens trägt zum Tod von Stella bei. Anna gibt sich zwar die Mitschuld, aber versucht ihr Gewissen zu verdrängen, indem sie die Geschichte niederschreibt. Kälte und Distanziertheit ziehen sich durch die Scheinidylle einer kaputten Familie. Heute noch so aktuell wie die Erzählung von 1958, bleibt der Grundtenor "Wer stört, wird entsorgt" verstörend und schwer auszuhalten.

tragödie

Wir töten Stella, Ö 2017

Regie: Julian Roman Pösler.

Mit: Martina Gedeck, Mala Embe, Peter Simonischek




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-27 15:51:08
Letzte Änderung am 2017-09-28 15:06:07


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