• vom 11.10.2017, 16:22 Uhr

Kultur

Update: 11.10.2017, 17:33 Uhr

Filmkritik

Am Ende zählt die Freundschaft




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Von Matthias Greuling

  • Das Tennisdrama "Borg/McEnroe" erzählt von der spannenden Auseinandersetzung zwischen Björn Borg und John McEnroe.

Akkurate Darstellung: John McEnroe (Shia LaBeouf) und Björn Borg (Sverrir Gudnason) spielen das Match ihres Lebens. - © Filmladen

Akkurate Darstellung: John McEnroe (Shia LaBeouf) und Björn Borg (Sverrir Gudnason) spielen das Match ihres Lebens. © Filmladen

Tennis als Therapie für die inneren Dämonen, das kann - wie bei vielen anderen Sportarten auch - als Ventil gut funktionieren, birgt aber auch die Gefahr, sich emotional im Sport zu verlieren, vor allem, wenn es für einen selbst um viel geht.

Von dieser Prämisse ausgehend schildert Regisseur Janus Metz in "Borg/McEnroe" die problembehaftete, konfliktreiche Rivalität zweier Götter des Tennissports: 1980 trafen beim Männerfinale in Wimbledon Titelverteidiger Björn Borg und Herausforderer John McEnroe aufeinander, und fochten einen Kampf aus, bei dem es um mehr ging, als um den Sieg. Für die beiden Tennis-Asse war das Spiel der nervenaufreibende Höhepunkt der Karriere, für das Publikum war es ein Medienspektakel der Sonderklasse, dessen Dimensionen danach nur mehr noch selten erreicht wurden.

Information

Sport-Drama
Borg/McEnroe, DK/S/FI 2017
Regie: Janus Metz Mit: Sverrir Gudnason, Shia LaBeouf

Die Ausgangslage ist kompliziert: Björn Borg (fahrig und kalkulierend interpretiert von Sverrir Gudnason) könnte den fünften Wimbledon-Titel gewinnen, und steht mit 24 Jahren schon (zu) lange am Zenit einer außergewöhnlichen Karriere. Die Fallhöhe für den Schweden ist groß, denn der Herausforderer ist der 20-jährige Sturschädel John McEnroe (Shia LaBeouf), ein New Yorker Ausnahmetalent, dessen Karriere mit starkem elterlichen Drill schon in der frühen Kindheit begonnen hatte, und der mit einem Höchstmaß an zielgerichteter Aggression vor allem eines zu erreichen versucht: Sich selbst in den Olymp des Tennisspiels einzuschreiben und dabei alle Gegner, vor allem Borg, zu überwinden.

Was wie verbissener Wahnsinn wirkt, ist in Wahrheit eiskalte Genialität - doch die Zuschauer sehen sie nicht. Nur Borg erkennt, mit welchem Genie er es hier zu tun bekommt.

Überhaupt befasst sich "Borg/McEnroe" vornehmlich mit diesem Aspekt einer Männer-Beziehung: Hier stehen bald nicht mehr die Rivalitäten im Mittelpunkt, sondern im Grunde der gegenseitige Respekt voreinander und die damit verbundene Achtung des anderen. Niemand sieht die beiden Spitzensportler und Medienstars als das, was sie eigentlich sind: die einzigen Menschen, die einander wirklich zu verstehen scheinen.

Sehr detailgetreu

Shia LaBeouf und Sverrir Gudnason sind für Regisseur Metz ein Glücksgriff sondergleichen, zumal sie im Film in größtmöglicher Ähnlichkeit zu Borg und McEnroe stehen: Alles, bis auf das kleinste Detail - vom Stirnband bis zum Tennisschläger - ist den Originalen nachempfunden, da hat die Ausstattung ganze Arbeit geleistet. Strukturell ist "Borg/McEnroe" dem Formel-1-Film "Rush" nicht unähnlich, wo es um die Rivalität zwischen Niki Lauda und James Hunt ging; nur verfilmt man Tennis anders als ein Autorennen: Hier kracht es nicht und niemand geht in Flammen auf. Weil Metz sich in seiner Inszenierung bis zum großen Match auf die Psyche konzentriert, gelingt ihm auf weiten Strecken achtbares Biopic-Kino. Das finale Match aber dramatisiert der Regisseur unnötig stark, anstatt seinen Protagonisten zu vertrauen. Zwei Typen übrigens, die eigentlich die besten Freunde sein könnten.





Schlagwörter

Filmkritik, Borg/McEnroe

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-10-11 16:27:05
Letzte nderung am 2017-10-11 17:33:54



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