• vom 26.10.2017, 08:50 Uhr

Kultur


Filmkritik

Die Malerin und der Miesepeter




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Von Verena Franke

  • "Maudie": Aisling Walshs Filmbiografie der Malerin Maud Lewis berührt feinsinnig - frei von Kitsch.

Sie raufen sich Schritt für Schritt zusammen: Fischer Everett (Ethan Hawke) und Malerin Maud (Sally Hawkins). - © Filmladen

Sie raufen sich Schritt für Schritt zusammen: Fischer Everett (Ethan Hawke) und Malerin Maud (Sally Hawkins). © Filmladen

Mauds Hände und Beine sind stark verkrüppelt, den Pinsel kann sie nur noch unter starken Schmerzen halten. Ihre Beine tragen ihr zartes Körpergewicht nicht mehr und ihr Rücken ist so verformt, dass sie nur durch eine Bewegung ihrer Augen aufschauen kann. Dennoch malt sie unermüdlich bunte Motive an die Wände ihres Hauses.

Die irische Regisseurin Aisling Walsh verfilmt mit "Maudie" die Lebensgeschichte der kanadischen Folklore-Malerin Maud Lewis (Sally Hawkins), die bereits als Kind an schwerer Arthritis erkrankt. Für ihren Bruder Charles (Zachary Bennett) und ihre Tante Ida (Gabrielle Rose) wird sie im Neuschottland der 1950er Jahren bald zur Last. So nimmt sie ihr Leben selbst in die Hand und sucht sich, allen Vorurteilen zum Trotz, einen Job. Den findet sie beim grantigen und ungehobelten Fischer Everett (Ethan Hawke). Als seine Haushaltshilfe bemüht sich Maud, den Vorstellungen Everetts gerecht zu werden: Mit "Zuerst komme ich, dann die Hunde, dann die Hühner, dann erst du!", legt er gleich den Stellenwert Mauds im Haus fest. Sie entgegnet auch dieser Geringschätzung nichts und beginnt - vielleicht als Überlebenselixier - farbenfrohe Blumen und Tierchen an die Wände, Regale, Fenster des kleinen, grauen Landhauses an der kanadischen Atlantikküste zu malen. (Übrigens: Das renovierte Zwei-Zimmer-Häuschen ist heute in der Art Gallery of Nova Scotia in Halifax ausgestellt.)

Information

Filmbiografie
Maudie, IRL/CDN 2016
Regie: Aisling Walsh
Mit: Ethan Hawke, Sally Hawkins, Kari Matchett, Billy MacLellan

Symbiose wird Liebe

Der wirklich sture, manchmal auch bedrohlich wirkende Miesepeter und Maud raufen sich Schritt für Schritt zusammen - wissend, dass sie eigentlich aufeinander angewiesen sind. Aus der Symbiose entwickelt sich mit der Zeit Liebe. Die beiden heiraten. Maud malt Ansichtskarten und kleine Bilder, mit denen sie die Aufmerksamkeit der New Yorkerin Sandra (Kari Matchett) auf sich zieht. Maud wird zur Berühmtheit.

Mitgefühl, aber kein Mitleid

Weniger das Leben der Künstlerin mit ihrer folkloristischen Malerei steht hier im Mittelpunkt, als vielmehr die Beziehung der beiden gesellschaftlichen Außenseiter zueinander. Mit wenigen Dialogen (Drehbuch: Sherry White) gelingt Regisseurin Walsh auch mit imposant in Szene gesetzten Schneelandschaften, vor allem aber dank der Hauptdarsteller ein atmosphärisch dichter Film. Sally Hawkins als gebrechliche Maud, die trotz ihrer verkrüppelten Beine lange Märsche hinter sich bringen muss, im Schnee hinfällt und immer wieder unbeirrt aufsteht, ruft im Zuschauer Mitgefühl hervor: Man möchte ihr einen Arm als Stütze anbieten. Hawkins nähert sich dem polternden und eigenbrötlerischen Ethan Hawke als Everett in kleinen Gesten und schelmischen Seitenblicken trotz des grauen Alltags in Armut. Hawke hingegen verwandelt Everett vom Misanthrop in einen liebenden Ehemann, der seine Gefühle eher beim Kauf eines Fliegengitters für Maud äußert, als in zärtlichen Gesten.

"Maudie" ist zwar eine Liebesgeschichte, aber ohne Kitsch und ohne Rührseligkeit - oftmals sogar humorvoll. Es geht um den Kampfgeist des Überlebens allen Widersachern und Schwierigkeiten zum Trotz. Und dafür bedarf es nicht vieler Worte.





Schlagwörter

Filmkritik, Maudie

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-10-24 16:23:06
Letzte Änderung am 2017-10-24 17:12:03


Kommentar

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