Die Indie-Filmbrüder Ben und Joshua Safdie sind bekannt für ihre bedingungslose Authentizität. Ihre beiden Low-Budget-Langfilme "Daddy Longlegs" (2009, auch bekannt als "Go Get Some Rosemary") und der Drogen-Liebesfilm mit einer tatsächlich heroinsüchtigen Obdachlosen, "Heaven Knows What" (2014), hatten für viel Aufsehen gesorgt. Mit einem deutlich höheren Budget drehten sie nun einen Gangsterthriller, dem man etwa in das Retro-Genre einordnen könnte. Dazu konnten sie auch den britischen Ex-Vampir Robert Pattinson holen.

Ihre radikale Bildsprache haben sie beibehalten. Von der dramaturgischen Klammer am Anfang und Schluss, die geradezu dokumentarhaft die Klinik-Therapie für geistig Behinderte aufzeigt, bis zu den rasanten Straßenszenen in weniger bekannten Stadtteilen von New York, mit schmuddeligen, statt der üblich glattgebügelten Touristen-Bilder. Im Zentrum der Handlung steht der Kleinganove Connie Nikas (Pattinson). Nach einem schiefgegangenen Bankraub muss er unbedingt den Komplizen, seinen geistig zurückgebliebenen Bruder Nick (Ben Safdie), aus dem Knast holen, weil dieser in immer größere Gefahr gerät. Geld für die Kaution ist kaum zusammenzubringen. Seine nächtliche Odyssee im Wettlauf mit der Zeit führt zu einem folgenschweren Fehler.

Robert Pattinson liefert im Gemisch von äußerer Ausdrucksarmut und innerer Zerrissenheit seine bis jetzt wohl beste Performance ab. Insgesamt ein rastloses, düsteres, aber glänzend gelungenes Erzählkino.