• vom 22.11.2017, 19:00 Uhr

Kultur

Update: 22.11.2017, 19:00 Uhr

Filmkritik

Die Rolle ihres Lebens




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Von Matthias Greuling

  • Diane Kruger brilliert als Terroropfer in Fatih Akins "Aus dem Nichts".

Diane Kruger verliert in Fatih Akins "Aus dem Nichts" ihren Ehemann und ihren Sohn. - © Warner Bros

Diane Kruger verliert in Fatih Akins "Aus dem Nichts" ihren Ehemann und ihren Sohn. © Warner Bros

Wie aus dem Nichts steht Katja (Diane Kruger) vor der Ruine ihres Lebens: Ihr Ehemann Nuri (Numan Acar) und ihr kleiner Sohn Rocco (Rafael Santana) sterben bei der Explosion einer Nagelbombe, die auf einem Fahrrad detoniert, das vor Nuris Geschäft abgestellt wurde. Katja fällt ins Bodenlose, betäubt sich mit Alkohol und Drogen und verübt einen Selbstmordversuch, doch dann schöpft sie plötzlich wieder Hoffnung: Die Polizei stellt das Neonazi-Paar Edda (Hanna Hilsdorf) und André Möller (Ulrich Friedrich Brandhoff), das die Bombe gelegt haben soll. Der Hinweis dazu kam ausgerechnet von Andrés Vater (Ulrich Tukur). Beim Prozess, bei dem Katja von Nuris bestem Freund, dem Anwalt Danilo Fava (Denis Moschitto), vertreten wird, kommt es bald zu Unstimmigkeiten: Haberbeck (Johannes Krisch), der Verteidiger der mutmaßlichen Täter, erreicht, dass seine Mandanten aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden. Von nun an beschließt Katja, einen gefährlichen Rachefeldzug zu starten, der sie bis nach Griechenland führt.

Ein Film voller Wut

Information

DRAMA
Aus dem Nichts, D/F 2017
Regie: Fatih Akin. Mit: Diane Kruger, Numan Acar, Denis Moschitto, Johannes Krisch.

Mit einer in ihrer Karriere bislang ungesehenen Intensität lässt sich Diane Kruger in ihre allererste deutsche Filmrolle hineinfallen und dreht den Film ihres Lebens. Fatih Akins Regie bettet diese zunächst höchst fragile, später kämpferische Performance in ein überaus zugänglich konstruiertes Kriminalstück ein, das zeitweise arg mit TV-Klischees hantiert, dem man aber jeden Mainstream-Moment gerne verzeiht, und zwar aus mehreren Gründen: Zum einen versprüht "Aus dem Nichts" Akins unverblümte Wut über die Morde, die für die Geschichte als Vorbild dienen. Die Terrorzelle NSU um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe gaben den Anstoß für Akin, sich mit rechtem Terror auseinanderzusetzen. Zugleich aber ist es der Terrorbegriff im Allgemeinen, den Akin hier in all seinen (auch banalen) Facetten durchdekliniert: Von Schuld, Rache, Häme ist da die Rede, aber auch: von der Perspektive des Opfers. Selten hat ein Film die Opferrolle so konsequent untersucht und bis zu Ende gedacht.

Akins "Aus dem Nichts" ist trotz seiner manipulativen Machart ein großer Wurf im Werk dieses Regisseurs, der darin Moralfragen und Gesellschaftskritik mit aufwühlenden Krimi- und Gerichtsdrama-Elementen kombiniert und sich mehr und mehr ins Kathartische steigert. So schmerzvoll Katjas Erfahrungen sind, so erlösend erscheint ihr Ausweg.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-22 16:23:06
Letzte ńnderung am 2017-11-22 19:00:32



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