Das Erben an sich bedeutet immer eine Art Abrechnung mit der eigenen Familie. Weil dieses Thema zutiefst persönlich ist, geht die Dokumentarfilmerin Ivette Löcker es in "Was uns bindet" auch genauso an. Sie wagt sich an das eigene Familienporträt: Die Eltern haben ihr und ihren beiden Schwestern ein altes Bauernhaus vermacht. Dieses Haus soll die drei Töchter wieder näher ans Salzburger Lungau binden. So haben sich Vater und Mutter das zumindest gedacht. Tatsächlich zwingt das Erbe des Elternhauses Löcker dazu, sich wieder mit Daheim auseinanderzusetzen, denn dort sind die Dinge kompliziert. Ihre Eltern leben zwar gemeinsam unter einem Dach und sind doch nicht mehr zusammen. Seit fast zwanzig Jahren getrennt, sind sie sich noch nahe genug, um immer wieder alte Wunden aufzureißen. Die beiden haben sich nie scheiden lassen, weil auch sie auf eine Art aneinander gebunden sind.

Löcker geht diesem für alle schmerzhaften "Arrangement" auf den Grund und schonungslos offen auf ihre Eltern zu. Ein Jahr lang hat sie beide begleitet und wirft dabei Fragen auf, die uns alle betreffen: Warum ist es in der Familie so schwierig, wirklich miteinander zu reden? Was bindet uns aneinander? Wie können wir uns davon befreien? Löcker gelingt ein liebevoller und gleichzeitig bedrückender Blick auf ihre Familie. Denn es geht auch um die verpasste Chance, sich von dem zu lösen, was einen fesselt. Weil sich darin jeder und jede widererkennen kann, lädt der Film zur Auseinandersetzung mit der eigenen Familie ein und dazu, es besser zu machen.

DOKUMENTARFILM

Was uns bindet, Ö 2017

Regie: Ivette Löcker.