• vom 10.01.2018, 16:19 Uhr

Kultur

Update: 10.01.2018, 16:40 Uhr

The Killing of a Sacred Deer

Vom Fluch verfolgt




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Von Thomas Fanta

  • "The Killing of a Sacred Deer", Mythos modernisiert.

Der Grieche Yórgos Lánthimos hatte mit der Arthouse-Trilogie, zuletzt "The Lobster", seinen Ruf als abgründiger, hintersinniger Filmemacher begründet. Mit "The Killing of a Sacred Deer" treibt er alles um einen Sprung weiter. Kaum noch wurde das Publikum, um das er sich wenig schert, einer derartig bewussten Verstörung ausgesetzt. Unausgesprochenes, Unklares, Rätsel, mit dem ist ständig zu kämpfen. Daher sollte man vorher die Hintergründe kennen, um einigermaßen mit der Hintergründigkeit zurechtzukommen.

Der Titel weist bereits auf die Quelle hin: die altgriechische Mythologie. Agamemnon tötet einen Hirsch im heiligen Hain von Artemis, worauf diese seine Tochter Iphigenie als Sühneopfer fordert. In der modernisierten Fassung wird ein Herzchirurg (Colin Farrell), nach einer Operation mit tödlichem Ausgang, vor solch grausames Dilemma gestellt. Als Vergeltung wird über ihn ein Fluch verhängt, der auch extremen inneren Schmerz auslöst. Die epische Brutalität der Antike wird demaskiert, die Aktualität reicht bis zur Gegenwarts- Gesellschaft. Betroffen ist eine scheinbare Musterfamilie, deren Stimmungen schwer greifbar sind. Die Figuren wirken sehr distanziert, was erschwert, die tollen Leistungen von Farrell, Nicole Kidman und dem Rest des Ensembles zu erkennen. Zwischen extremem Leid und trockenem Humor wird dem Zuschauer gar nichts geschenkt. Äußerlich ruhig, immer beunruhigender, härter, doch nichts für Mainstream-Grusel-Fans.

Information

Tragödie
The Killing of a Sacred Deer, GB/IRL 2017
Regie: Yórgos Lánthimos.
Mit: Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-10 16:23:06
Letzte Änderung am 2018-01-10 16:40:03


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