• vom 17.01.2018, 16:14 Uhr

Kultur

Update: 18.01.2018, 15:00 Uhr

Filmkritik

Blut, Schweiß und Oldman




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Von Verena Franke

  • Joe Wrights "Die dunkelste Stunde" als herausragendes politisches Drama.

Blut, Schweiß und Oldman

Blut, Schweiß und Oldman Blut, Schweiß und Oldman

Kämpfen oder verhandeln? Vor dieser folgenschweren Entscheidung sah sich Winston Churchill im Jahr 1940, als Hitler, über Frankreich kommend, in England einmarschieren wollte. Doch dazu kam es nie, denn der unbeugsame Churchill entschloss sich, keinesfalls zu kapitulieren. Koste es, was es wolle, und mit "Blut, Schweiß und Tränen". Denn es galt, 300.000 britische Soldaten aus der von der deutschen Wehrmacht eingekesselten nordfranzösischen Hafenstadt Dünkirchen nach Hause zu holen. Als Vollblut-Choleriker mit schlechtem Ruf - einerseits aufgrund seines üppigen Lebensstils, andererseits aufgrund des von ihm verschuldeten Gallipoli-Desasters im Ersten Weltkrieg - rettet Churchill (Gary Oldman) grummelnd und murmelnd England und 85 Prozent der dem Tod geweihten Soldaten. Widersacher wie Neville Chamberlain (Ronald Pickup) und Lord Halifax (Stephen Dillane) walzt er verbal nieder.

Regisseur Joe Wright hat "Die dunkelste Stunde" auf ein Kammerspiel reduziert, dessen Hauptakteur Gary Oldman vornehmlich Zigarre rauchend von einem dunklen Raum zum nächsten schlurft. Blutige Kampfszenen bleiben vor der Türe. Vielmehr konzentriert sich das politische Drama auf den Premierminister dieser Jahre.

Information

Politthriller

Die dunkelste Stunde, GB 2017

Regie: Joe Wright

Mit Gary Oldman, Lily James u. a.

Schrullig humorig

Der 59-jährige Oldman entwickelte gemeinsam mit dem Drehbuchautor Anthony McCarten ("Die Entdeckung der Unendlichkeit") einen Charakter, der in seiner Tiefe und Detailgenauigkeit wohl unübertroffen ist - für diese Rolle wurde er kürzlich mit dem Golden Globe als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet, auch wird er bereits als Oscar-Anwärter gehandelt. Oldman ist bekannt für seine filmischen Porträts, etwa den Sex-Pistol-Bassisten Sid Vicious oder Ludwig van Beethoven. Als Winston Churchill gelingt ihm jetzt aber nicht nur visuell - aufgepolstert und unter einer hervorragend lebendig wirkenden Maske (Spezialeffekte-Designer Kazuhiro Tsuji) versteckt - geradezu eine Auferstehung des kampfesmutigen und prinzipientreuen Politikers. Mithilfe seiner Schrullen und seinem hintersinnigen Humor zieht Churchill den Zuschauer sehr bald auf seine Seite - spätestens in einer U-Bahnszene, in der er die Fahrgäste nach ihrer Meinung zu den Nazis befragt. Zugegebenermaßengreifthier Wright etwas sehr tief in die Pathoskiste.

"Die dunkelste Stunde" wäre ein gut inszenierter innenpolitischer Thriller von einiger Bedeutung. Wäre da nicht neben Gary Oldmans schauspielerischer Leistung auch der französische Kameramann Bruno Delbonnel, der den Film in die Sphäre des Außerordentlichen hebt. Er setzt gemeinsam mit Wright die szenische Atmosphäre in Bilder um. Bilder, die in Erinnerung bleiben wie etwa, als Churchill, alleingelassen und einsam, den Aufzug nimmt und in einen schwarzen Hintergrund eintaucht und nur noch der Lift mit Licht erfüllt ist. Ben Mendelsohn als besonnener König George VI. oder auch Kristin Scott Thomas als Clementine Churchill runden diesen Film zum gelungenen Epos ab.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-17 16:17:05
Letzte Änderung am 2018-01-18 15:00:05


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