• vom 14.02.2018, 15:31 Uhr

Kultur


Filmkritik

Korrektes Kino




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Von Matthias Greuling

  • Ridley Scott tauschte Spacey gegen Plummer.

Wer "Alles Geld der Welt" im Original sehen will, hat Pech: Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen Schauspieler Kevin Spacey wurden alle seine Szenen aus dem Film entfernt und nachgedreht. Mit dem 88-jährigen Christopher Plummer, der nunmehr dafür auf einen Oscar als bester Nebendarsteller hoffen darf.

Spacey - und später Plummer - hatten in "Alles Geld der Welt" den Öl-Milliardär Jean Paul Getty gespielt, jenen Mann, der nicht nur unsagbar reich war, sondern von dem Reichtum auch nichts hergeben wollte. Nicht einmal dann, als man seinen Enkel John Paul Getty III. in Italien entführte und dafür 17 Millionen Dollar Lösegeld forderte. "Ich habe sechs Enkel. Wenn ich anfange, jetzt Lösegeld zu zahlen, dann wird es bald nur mehr Entführungen geben", sagt Getty im Film.


Plummer war Scotts ursprüngliche Wunschbesetzung, aber die Produzenten bestanden auf Spacey wegen dessen Popularität. Dank der MeToo-Bewegung bekam Ridley Scott nun doch den Film, den er machen wollte.

Das fertige Resultat ist technisch einwandfrei, Plummers nachgedrehte Szenen sitzen optisch und lichttechnisch perfekt. Nur in einer Einstellung, in der Getty in der Wüste zu sehen ist, klappt der Trick nicht, sonst aber fügt er sich in seinen etwa 15 Filmminuten vortrefflich ins Ensemble, das außerdem aus Michelle Williams (Mutter des Entführten) und Mark Wahlberg (Gettys Mann fürs Grobe) besteht. Insgesamt gelungenes, "korrektes" Kino, aber ob die Herstellungsgeschichte Schule machen sollte?

Drama

Alles Geld der Welt, USA 2017

Regie: Ridley Scott. Mit: Christopher Plummer, Michelle Williams, Mark Wahlberg.




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Dokument erstellt am 2018-02-14 16:05:21


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