Politiker lügen. Heute weiß man das. In den 1970ern war das aber noch eine Nachricht wert. Und was für eine: Eine, die sogar ins Gefängnis bringen kann. Eigentlich war es ein Scoop der "New York Times", aber Steven Spielbergs Film "Die Verlegerin" erzählt die Geschichte aus der Perspektive der Konkurrentin, der "Washington Post". Ein Informant lieferte beiden Zeitungen Dokumente, die belegten, dass vier US-Präsidenten ihr Volk seit Jahrzehnten über den Vietnamkrieg und die Chancen, dort einen Militär-Erfolg einzufahren, belogen hatten. Um sich die Demütigung zu ersparen, den Krieg in der eigenen Amtszeit als verloren beenden zu müssen. Die Wahrheit ist nun einmal das erste Opfer eines Krieges.

Die Empörung ist groß, dass Soldaten in völlig sinnlose Schlachten geschickt worden sein sollen. Das Weiße Haus reagiert auf die Enthüllungen mehr als ein bisschen verschnupft: Die "New York Times" wird mit einer Klage wegen Hochverrats bedroht, sollte sie nicht aufhören, ihre Recherche zu drucken. Das ist die Chance der "Washington Post": Auch sie macht den Informanten ausfindig und setzt die vom Pentagon und Nixon gleichermaßen ungeliebte Berichterstattung fort.

Ein "Top Secret"-Puzzle

Für Katharine Graham (Meryl Streep) ist die Situation ein Wechselbad der Gefühle. Sie hat von ihrem Mann die Herausgeberfunktion der Zeitung geerbt, ihm war sie von Grahams Vater übertragen worden. Sie steht mit der Zeitung kurz vor einem gewagten Börsengang. Die Aufmerksamkeit durch eine journalistische Sensation kann ihr da einerseits nur recht sein - andererseits aber auch ganz und gar nicht. Dann nämlich, als die Regierung auch ihrer Zeitung mit einer Klage droht. Was, wie es ihr Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) auf den Punkt bringt, Gefängnis für sie und ihn bedeuten könnte.

Bradlee kämpft wie ein Löwe für die Veröffentlichung der Berichte - Kunststück, er ist ja auch hautnah dabei, wie in seinem Wohnzimmer Redakteure ein Puzzle aus 4000 Seiten geheimer Dokumente lösen. Die Seitenzahlen wurden nämlich mitsamt dem Hinweis "Top Secret" beim Kopieren weggeschnitten. Spielbergs Film greift grundlegende Schwierigkeiten des Journalismus auf: Während Bradlee Graham vorwirft, dass sie mit allen beteiligten Politikern verhabert sei und deswegen zögere, muss auch er sich die Frage gefallen lassen, ob er die Geschichte so drängend verfolgt hätte, als sie noch nur seinen Kumpel John F. betroffen hat. Im Mittelpunkt steht aber die durchaus inspirierende Entwicklung Katharine Grahams von einer unsicheren Frau, die den Männern, die eigentlich ihr unterstellt sind, am Gang hinterhertrippelt, zu einer durchsetzungsfähigen Entscheiderin. In einer Szene übertreibt es Spielberg freilich mit dem Frauen-Empowerment-Pathos, als Graham das Gerichtsgebäude erhobenen Hauptes verlässt und durch ein Meer von beseelt blickenden Frauen schreitet.

Überhaupt hinterlässt der Film ein wenig den Nachgeschmack von Zeitgeist-Aktionismus, der sich gegen Angriffe auf die Pressefreiheit, die immer häufiger auch in durchaus zivilisiert geltenden Ländern auftreten, richtet. Dabei würde die spannende Geschichte aus der Hochzeit des Enthüllungsjournalismus für sich selbst sprechen: Manchmal ist es ein Kampf wert, gekämpft zu werden.