• vom 07.03.2018, 16:31 Uhr

Kultur

Update: 07.03.2018, 17:59 Uhr

Molly's Game

Ein "All In" mit Folgen




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias Greuling

  • "Molly’s Game" zeigt Jessica Chastain als gewiefte Poker-Lady Molly Bloom.

Immer freundlich: Molly Bloom (Jessica Chastain) sorgt sich rührend um "ihre" Pokerspieler, die allesamt Millionäre sind. - © Constantin Film

Immer freundlich: Molly Bloom (Jessica Chastain) sorgt sich rührend um "ihre" Pokerspieler, die allesamt Millionäre sind. © Constantin Film

Wer mit 140 Stundenkilometern bei einer steilen Schussfahrt aus der Spur fliegt und sich dabei den Rücken zertrümmert, der ist für alle Zukunft wohl hart im Nehmen. Der Skirennläuferin Molly Bloom (Jessica Chastain) ergeht es so - und ihre von Aaron Sorkin erzählte Lebensgeschichte ist tatsächlich wahr: Bloom war einst die große Hoffnung der USA bei den Olympischen Spielen, ehe sie durch ihre Verletzung zur Aufgabe ihrer Sportkarriere gezwungen wurde und Jus zu studieren begann. Diesen Teil ihres Lebens zeigt Sorkin in einer atemlos montierten Eröffnungssequenz, die durch dieses Schicksal hastet, weil es dem Film eigentlich gar nicht um diesen Lebensabschnitt Blooms geht. Vielmehr interessiert sich Sorkin für das, was danach kommt: Bloom schmiss bald ihr Jus-Studium, weil sie nebenher schon einen lukrativen Job hatte. Als Mit-Organisatorin von illegalen Poker-Turnieren zeigt sich schnell ihr wahres Talent: Sie erhält Trinkgelder für das Zusammenstellen der rein männlich besetzten Runden, zumeist schwerreiche Geschäftsleute, die in rauschschwadenverhängten Hinterzimmern Millionen verzocken.

Weil Molly das Organisieren so gut kann, macht sie sich bald selbständig in dem Geschäft und plant immer aufwendigere Poker-Turniere in immer exklusiveren Umgebungen und mit immer reicheren Spielern. Sie hat dadurch eine bislang kaum gekannte Macht über die Superreichen, die sich mit Geld scheinbar alles kaufen können - nicht aber einen der begehrten, weil eng begrenzten Plätze an Mollys Pokertischen.

Information

Drama

Molly‘s Game, USA/China 2017
Regie: Aaron Sorkin.
Mit: Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner, Michael Cera.

Superstars und Mafia

Zu Mollys Klientel zählen prominente Gesichter aus Hollywood, Sportstars, aber auch - und das zunächst ohne Mollys Wissen - die russische Mafia. Die bricht Mollys Treiben schließlich das Genick; die illegalen Spiele fliegen auf und Bloom wandert in den Knast. Dort muss sie ihren Strafverteidiger Harlie Jaffey (Idris Elba) erst einmal davon überzeugen, dass in ihr mehr steckt als bloß eine geldgierige, skrupellose Verbrecherin.

Drehbuchautor Aaron Sorkin, der für das Skript zu "Molly’s Game" heuer eine Oscar-Nominierung erhielt, inszeniert in seinem Regiedebüt Chastain als kühl kalkulierende, auf jede Eventualität vorbereitete Geschäftsfrau, die sich am Ende doch auf allzu dünnes Eis wagt, als sie beginnt, Provisionen zu kassieren, anstatt sich mit "Trinkgeldern" zufriedenzugeben. Ein "All In" mit Folgen: Damit setzt Bloom schließlich endgültig aufs falsche Blatt.

Als Besetzung funktioniert Chastain grandios in der Rolle der schlauen Business-Frau, die sich nicht zu schade dafür ist, auch ihren weiblichen Charme zur Gewinnoptimierung einzusetzen, dennoch aber stets die unbedingte Distanz zu den Spielern wahrt. Die echte Molly Bloom verarbeitete ihr Leben zu einer Autobiografie, in der sie auch die Namen der Filmstars nannte, die an ihren Tischen saßen, darunter Leonardo DiCaprio, Ben Affleck oder Tobey Maguire. Letzterer soll sie einmal gebeten haben, für 1000 Dollar Extratrinkgeld vor ihm wie eine Robbe zu blöken. Im Film bleiben die Spieler anonymisiert, aber es ist unschwer erkennbar, wer hier welchen Superstar spielt.

Ein Kurzauftritt von Kevin Costner als Mollys Vater bringt schließlich die moralische Wende in Blooms Leben. Und Chastain kann zeigen, dass ihre Molly Bloom nicht nur als amoralische Kriminelle fungiert, sondern am Ende auch zu einer überaus sympathischen Protagonistin erwächst.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-07 16:35:42
Letzte Änderung am 2018-03-07 17:59:27


Kommentar

Gehen Hamster und Krake auf ein Rave

Dieser Tage erfuhr der wissenschaftsinteressierte Mensch: Ecstasy macht Oktopusse sozialer. Das ist beachtlich, wirft aber Fragen auf... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Effekthascherei
  2. Die neue Leichtigkeit
  3. Am Ende wartet die Hölle
  4. Schnapsen, Jolly und Patiencen mit Elvis und Madonna
  5. Pop-Preziosen
Meistkommentiert
  1. Der universell Umtriebige
  2. Effekthascherei

Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.



Werbung