• vom 14.03.2018, 16:13 Uhr

Kultur

Update: 14.03.2018, 16:21 Uhr

Filmkritik

Weibliches Sprachrohr




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Von Thomas Fanta

  • "Maria Magdalena" wird der Grundidee nicht gerecht.

Maria Magdalena war jahrhundertelang eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Bibelgeschichten, anfangs die Nebenfigur einer Sünderin, sogar Prostituierte, bis hin zur Spekulation, die Ehefrau von Jesus gewesen zu sein, die mit ihm in die Provence flüchtete. In der langen Kette von Bibelverfilmungen wird nun Maria Magdalena (Rooney Mara) zum ersten weiblichen Jünger von Jesus.

Judäa, im Jahre 33: Zu Beginn noch eigensinnig und freiheitsliebend, sträubt sie sich in einem kleinen Dorf gegen eine Zwangsheirat, macht sich unbeliebt, läuft davon. Dann schließt sie sich einer radikalen quasi sozialen Bewegung an. Angeführt vom charismatischen Jesus von Nazareth (Joaquin Phoenix). Sie reisen mit ihrer Vortragstour durch Galiläa und nach Jerusalem, schließlich kommt es zur Kreuzigungsphase. Dazwischen wird sie zur Lieblingsjüngerin, nimmt die Ideen von Jesus breiter Persönlichkeit auf, wird schließlich die erste Predigerin eines neuen Glaubens. Dies könnte man als Entwicklung von Emanzipation interpretieren. Leider nein. Sie bleibt nur ein Sprachrohr der Glaubensideen mit pathetisch-theatralischen Dialogen, verblasst also wieder zur Nebenfigur. Joaquin Phoenix bietet Prägnanz in seinen Reden, mehr aber nicht. Selbst wunderbare Naturaufnahmen können nicht drüber hinwegtäuschen, dass die tolle Idee immer mehr in Oberflächlichkeit erstarrt und das eigentliche Thema verfehlt wird. Das Ganze schlittert nur knapp am Scheitern vorbei.

Information

Religionsdrama
Maria Magdalena (Mary Magdalene), GB 2018
Regie: Garth Davis.
Mit: Rooney Mara, Joaquin Phoenix, Chiwetel Ejiofor.





Schlagwörter

Filmkritik, Maria Magdalena

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-14 16:17:44
Letzte Änderung am 2018-03-14 16:21:24


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