Es gibt einen Moment in "3 Tage in Quiberon", gleich zu Anfang, da meint man, dem Gezeigten lieber nicht folgen zu wollen - weil da Marie Bäumer kurz als Imitat von Romy Schneider zu sehen ist. Als ziemlich schlechtes sogar.

Doch diese eine Nuance wandelt sich sogleich ins Gegenteil: Bäumer schafft es unter Anleitung von Regisseurin Emily Atef, die Falle der Imitation konsequent zu umschiffen - und Romy Schneider zu sich kommen zu lassen, nicht umgekehrt. Daraus entstehen die bisher vielleicht beeindruckendsten Momente in der Vielzahl von Romy-Schneider-Biopics, die es bislang gab: Bäumer wird bald zu einer erschreckend ähnlichen Figur wie Schneider, beherrscht ihre Sprache, ihre Mimik, ihren Habitus, ihre Art zu Rauchen.

Es hätte viel schief gehen können bei einem Film wie "3 Tage in Quiberon". Das Porträt einer Ikone des europäischen Kinos zu drehen, die am Ende ihres Lebens steht, birgt das Risiko für Verklärung, Kitsch, Distanzlosigkeit. Atef hat das Gegenteil geschafft: In den noblen Schwarzweiß-Bildern des Österreichers Thomas Kiennast zeigt sie eine kurze Episode aus Romys Leben, kein überladenes Biopic, sondern nur einen Ausschnitt aus ihrer Zeit, als sie im bretonischen Nobelort Quiberon zur Kur weilte, weil Alkohol und Tabletten sie zu sehr kaputt gemacht hatten.

Lebenshungrig

Das war 1981, ein Jahr vor ihrem Tod, und Romy Schneider lädt nicht nur ihre beste Freundin (Birgit Minichmayr) dorthin ein, sondern auch den "Stern"-Journalisten Michael Jürgs (Robert Gwisdek) und den Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner), den sie bereits kannte und mit dem die legendären Schwarzweiß-Fotos entstehen, die sie als gebrochene Figur ebenso zeigen wie als lebenshungrige Frau, die gar nicht erwachsen geworden zu sein scheint. Jürgs aber stellt fiese, manipulative Fragen zum Verhältnis Romys zu Deutschland, was diese in (an sich verbotener) Weinlaune zu markigen Sprüchen verleitet. Aus dem geplanten "Aussöhnungsinterview" mit Deutschland wird die Prolongation eines komplizierten Verhältnisses.

Emily Atef kommt dank ihrer Hauptdarstellerin sehr nahe an die Seele von Romy Schneider heran, oder zumindest an das, was Schneider davon bereitwillig preisgab. Und das war nicht wenig, den Romy Schneider muss gespürt haben, dass ihr Leben bald endet. Also lebte sie es in vollen Zügen. Ihr "Seht her, mir geht es gut" war ein Hilferuf, der zu spät gehört wurde.