Die Chuzpe zu haben, eine Flüchtlingsgeschichte, die 1940 spielt, im Marseille der Jetztzeit anzusiedeln und nichts, aber auch gar nichts im Dekor und in der Ausstattung zu ändern, so etwas traut sich nur Christian Petzold; und genau das macht auch sein immer sprödes, aber eben auch wagemutiges und tiefgründiges Kino aus: Die Scheu vor dem Experiment hatte Petzold nie.

In "Transit" erzählt er, wie der politische Flüchtling Georg (außergewöhnlich: Franz Rogowski) sich aus dem von Nazis besetzten Paris aufmacht in den Süden Frankreichs. In Marseille ist ihm die Mitreise auf einem Überseedampfer versprochen, doch vorerst heißt es warten. Während seiner Zeit dort geschehen aufgrund eines Manuskriptes des verstorbenen Schriftstellers Weidel allerlei Verwechslungen, und bald tritt auch die junge Marie Weidel (Paula Beer), Ehefrau des Autors, in sein Leben. Sie ist im Besitz zweier Transitvisa für sich und ihren Mann, von dessen Tod sie noch nichts weiß. Bald überschlagen sich die Ereignisse, und eine Entscheidung über Verbleib oder Ausreise muss getroffen werden.

In Petzolds Regie lässt sich die lähmende Ausweglosigkeit erahnen, die Flüchtlinge zu jener Zeit gequält haben muss; die Geschichte des gleichnamigen Romans zum Film, den Anna Seghers geschrieben hat, belässt Petzold auch deshalb im Heute, weil er viel besser darin ist, die Gleichzeitigkeit und Gegenwärtigkeit von Geschichte in vielen Ebenen zu erzählen, als unvergangene Historie in plumpen Kulissen nachzustellen.