April 1945, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, irgendwo in Norddeutschland. Der von seinen Kameraden getrennte 19-jährige Gefreite Willi Herold (Max Hubacher) wird als Deserteur gnadenlos von betrunkenen eigenen Leuten gejagt. Dabei findet er in einem abgestellten Auto die Uniform eines Hauptmanns der Luftwaffe. Als er sie anzieht, schlüpft er auch in die entsprechende Offiziers-Rolle. Er schart andere verstreute Soldaten um sich, probiert gleich seine Verfügungsgewalt aus.

Die Kameraden sind froh, jemanden gefunden zu haben, der ihnen sagt, was sie zu tun haben. Sehr bald verfällt Herold dem Wahn der Macht. Mit der Legitimation: "Der Führer persönlich hat mir unbeschränkte Vollmachten erteilt", übernimmt er das Kommando über das Lager II der Emslandlager. Dort errichtet er ein Schreckensregiment, mehr als 120 Insassen lässt er ermorden oder tut es selbst. Mit ausdrucksvollen, fast dokumentarisch anmutenden Bildern, eröffnet sich eine "Köpenickiade" schlimmsten Ausmaßes, die jedoch auf wahren Geschehnissen beruht.

Dem deutschen Hollywood-Export Robert Schwentke kommt es nach eigenen Angaben nicht auf die Analyse eines Soziopathen oder Psychopathen an, sondern "auf das ganze System" und dessen Aktualität bis heute. Also die Perspektive von Machtstrukturen sowie die Grenzen von Moral und Standhaftigkeit. Ein verstörender Realhorror, durchwirkt mit surrealen Grotesken, die im Hals stecken bleiben. Insgesamt eine besonders bittere Pille.