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Kultur

Update: 06.06.2018, 15:50 Uhr

Filmkritik

Ungemach im Dinopark




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Von Matthias Greuling

  • "Jurassic World: Das gefallene Königreich" ist der fünfte Aufguss der Dinosaurier-Saga.

Der T-Rex und der Saurierflüsterer (Chris Pratt) flüchten vor einer gewaltigen Lava-Masse. Das macht sie trotzdem nicht zu Freunden. - © Universal

Der T-Rex und der Saurierflüsterer (Chris Pratt) flüchten vor einer gewaltigen Lava-Masse. Das macht sie trotzdem nicht zu Freunden. © Universal

Steven Spielberg hatte 1993 mit "Jurassic Park" eine Benchmark im Hollywood-Spektakelkino gelegt, die andere und er selbst seither mehrfach und mühelos übertroffen haben, die aber - im inzwischen fünften Aufguss - immer noch die immer gleiche Geschichte erzählt: Von raffgierigen Geschäftsmännern, die zu weit gegangene Wissenschaftler ausnützen, um an deren Geschöpfe, die sie beim Gott-Spielen erschaffen haben, möglichst lukrativ auszuschlachten. Wobei: Wer da wen ausschlachtet, ist auch seit dem ersten Film klar: Die von Menschenhand kreierte Schöpfung wendet sich freilich stets gegen ihren Schöpfer und zerstört alles, was sich ihr in den Weg stellt. Soweit das Konstrukt.

Variationen helfen, die Story interessant zu halten. So platziert sich "Jurassic World: Das gefallene Königreich" diesmal als direkter Nachfolger des vierten Films von 2015, der als Reboot der Reihe überraschend sensibel vom Verhältnis zwischen Mensch und Wildtier erzählt hatte.

Information

Abenteuer

Jurassic World: Das gefallene Königreich, USA 2018

Regie: Juan Antonio Bayona. Mit: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard.

Jetzt dreht man das Rad ein wenig weiter, gibt dem Plot einen tatsächlich grünen Anstrich: Weil der einst zerstörte Dino-Park auf der Isla Nublar, der im letzten Film im Chaos versank, nunmehr fest in Händen der Saurier ist, und auf der Insel der Vulkan auszubrechen droht, kommen Aktivisten auf die Idee, die nunmehr vom Aussterben bedrohten Dinosaurier zu retten und auf eine andere Insel umzusiedeln. Urgestein Jeff Goldblum (seit Teil eins dabei) mahnt in der Rolle des Chaostheoretikers Ian Malcolm gleich zu Beginn, dass dies wohl der falsche Weg sei, zumal man hier nicht Saurier, sondern von Menschen geklonte, unberechenbare Wesen in Sicherheit bringen will - mit ungeahnten Folgen.

Malcolm nimmt vorweg, was hinterher zwei Kinostunden lang den Zuschauern um die Ohren fliegt. Zunächst verbringt Regisseur Juan Antonio Bayone viel Zeit damit, die Rettungsmission auf der Insel mit einem spektaklulären und vielgesichtigem Vulkanausbruch in Schutt und Asche zu legen. Die Bilder dazu gleichen in ihrer Drastik aktuellen Fernsehbildern erschreckend, nur dass hier nicht Menschen vor der brodelnden Lava fliehen, sondern Saurier. Dinosaurierflüsterer Owen (Chris Pratt) und die ehemalige Parkmanagerin Claire (Bryce Dallas Howard) sind mit im Saurier-Rettungsteam und können sich und einige der Saurier nur in allerletzter Sekunde auf ein Schiff retten.

Die Saurier-Auktion

Dort droht neues Ungemach. Bald schon wird den Guten klar, dass sie erneut den Bösen zugearbeitet haben: Der greise Benjamin Lockwood (James Cromwell), dereinst Partner von "Jurassic Park"-Gründer John Hammond, hat ernste Rettungsabsichten, die seine rechte Hand, Eli Mills (Rafe Spall), mit Dollarzeichen in den Augen unterläuft: Er plant, die geretteten Saurier bei einer Auktion zu versteigern. Sie sollen als Vorlage und Genmaterial für künftige Kampfsaurier dienen, die in bewaffneten Konflikten eingesetzt werden könnten. Krieg bedeutet Geld. Viel Geld.

Und so nimmt sich "Jurassic World: Das gefallene Königreich" über weite Strecken als moralisch astreiner Kampf von Gut gegen Böse aus. Beinahe allergisch muss man als eingefleischter Kenner der Franchise jedoch kritisieren, wie wenig variantenreich die immergleichen Zitate aus dem Ur-Film sind: Auch hier gibt es ein kleines Mädchen in Angst, das Schlüsselfigur ist, auch hier hantiert ein junger, angsterfüllter Computer-Nerd, auch hier gibt es den alten, weisen Visionär, der es eh nur gut gemeint hat, auch hier sprinten Pratt und Howard vor Sauriern davon, fast bildgleich wie Sam Neill und Laura Dern in Teil eins. Sie sind sogar ähnlich angezogen.

Aber vielleicht ist der Erfolg der Filmreihe genau in dieser Kunst der Wiederholung begründet. Damit jede Kinogängergeneration ihr Taschengeld dafür ausgibt, um zu erfahren, wie gefährlich es ist, gierig zu sein.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-06 15:46:15
Letzte Änderung am 2018-06-06 15:50:06


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