Filme über Päpste gibt es viele. Filme mit einem Papst jedoch nicht. Bisher nicht. Denn nun hat der deutsche Regisseur Wim Wenders, glaubensmäßig den Protestanten zugehörig, einen Dokumentarfilm gedreht, der Papst Franziskus nicht nur begleitet, sondern ihn auch einbindet: Der Papst spricht in langen Interviews mit Wenders nicht nur zu ihm, sondern auch direkt in die Kamera, zu allen Gläubigen und solchen, die es noch werden wollen.

"Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" verliert sich nicht allzu sehr in den theoretischen Fragen des Lebens, in theologischen Überlegungen und in Glaubensfragen; tatsächlich dauert es ganz schön lange, bis das Wort Gott fällt. Zu sehr ist dieser Papst mit irdischen Problemen befasst, als dass er allzu viel Zeit mit einem theoretischen Überbau verbringen könnte. Franziskus gibt sich als optimistischer Mann der Tat, als unermüdlicher Katholik mit starkem Reformwillen, als einer, der keine Menschenmenge auslässt, gerne Hände schüttelt und sich vor allem den Skeptikern annähern will und ihnen die Arme ausbreitet.

Wenders kombiniert sein Interviewmaterial mit Bildern aus dem reichen Fundus der vatikanischen Pressestelle, und hier beginnt der schale Beigeschmack, den diese "Doku" hinterlässt: Freilich hat Wenders mehrfach glaubhaft versichert, der Vatikan habe keinerlei Einflussnahme auf die Gestaltung des Films genommen, sondern den Regisseur nur seiner Filmkunst wegen engagiert, jedoch schwingt hier auch der Eindruck mit, bei dem Film handle es sich um ein Imagevideo, einen überdimensionalen Werbespot für Franziskus und seinen neuen Kurs. Eben jener Kurs gefällt vielen Eliten im Vatikan nicht, aber davon weiß "Papst Franzikus - Ein Mann seines Wortes" rein gar nichts zu berichten. Bestenfalls in kleinen Anspielungen - etwa durch so manch finster dreinblickenden Kardinal - kommentiert Wenders die wahren Verhältnisse im Vatikan. Sonst hält er sich überwiegend an sein Credo, Filme nur über Themen zu drehen, für die er leidenschaftlich brennt und die er darob gar nicht kritisch hinterfragen will.

Ein Kommunikationsprofi,
der auf alle zugeht

Der Papst zeigt sich im Film jedenfalls als gütiger, schlagfertiger und freundlicher Kommunikationsprofi, dessen stärkstes Asset es ist, auf alle Menschen offen zuzugehen. Und der auch erstaunlich einfache Antworten auf komplexe Fragen anbietet, was diesen Mann vom anderen Ende der Welt schon kurz nach seiner Wahl zur Lichtgestalt vieler von Hardlinern enttäuschten Katholiken hat werden lassen. Jedoch ist auch sein Pontifikat nicht frei von konservativen Zügen und auch die viel gepriesenen Reformen dauern inzwischen länger, als von vielen erhofft.

Wim Wenders schert sich wenig um die kritischen Stimmen und die politischen Querelen, die es rund um Franziskus gibt; sein Film will den Papst feiern und ein Kaleidoskop des Wirkens dieses Menschenfreundes sein. Dass Wenders dabei zuweilen auf die Mittel des propagandistischen Kinos zurückgreift, lässt sich unter der Voraussetzung verzeihen, dass man gewillt ist, sich einem Menschen zu öffnen, dessen Glücksbegriff und Optimismus so stark sind, dass es keine kritische Nachfrage mehr gibt.