• vom 11.07.2018, 16:04 Uhr

Kultur

Update: 11.07.2018, 16:13 Uhr

Sweet Country

Gar nicht so süß




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Von Matthias Greuling

  • Der australische Rassismus-Western "Sweet Country".

An diesem Landstrich ist nichts Süßes, auch wenn es der Filmtitel behauptet. Die staubige Einöde des australischen Nordens ist Schauplatz für diesen Western, den Regisseur Warwick Thornton in den 1920er Jahren angesiedelt hat. Harry (Ewen Leslie), traumatisiert vom Ersten Weltkrieg, sucht Unterschlupf bei dem gütigen Mr. Smith (Sam Neill), gerät dort aber in Konflikt mit dem Aborigine Sam (Hamilton Morris), dem Gehilfen von Mr. Smith. Nach einem Zwischenfall tötet Sam Harry mit der Schrotflinte, und die Zeichen stehen auf Vergeltung: Während Harry und seine Frau in die Wildnis fliehen, macht sich ein Suchtrupp um den gnadenlosen Polizisten Fletcher (Bryan Brown) auf, den Flüchtigen zu fassen.

Warwick Thornton, der selbst indigenen Hintergrund hat, zeigt anhand dieser Geschichte, wie rassistisch die Besiedler Australiens gegenüber der Urbevölkerung eingestellt waren (die Aborigines bekamen erst 1967 das Wahlrecht). Die ganze Brutalität gegen die australischen Ureinwohner wird in "Sweet Country" zu einem Porträt australischer Geschichte, aber auch zu einem Sinnbild für weltpolitische Entwicklungen der Gegenwart.


Stilistisch wandelt Thornton in optisch zwar gefälligen, aber letztlich untypischen Western-Gefilden: Dramatische Musik gibt es in diesem gottverlassenen Outback gar keine, was tatsächlich eine Wohltat ist; dafür hapert es fallweise bei der Figurenzeichnung und einer stimmigen Dramaturgie, die Geschichte bleibt vorhersehbar.

Western

Sweet Country, AUS 2017

Regie: Warwick Thornton.
Mit: Sam Neill, Bryan Brown, Thomas M. Wright, Hamilton Morris.




Schlagwörter

Sweet Country, Filmkritik

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-11 16:11:00
Letzte Änderung am 2018-07-11 16:13:54


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