Jule, Jan und ein altes Wohnmobil. Daraus macht Regisseur Hans Weingartner ("Das weiße Rauschen", "Die fetten Jahre sind vorbei") ein Drama, ein Roadmovie und gleichzeitig auch eine Romanze. Der Inhalt ist schnell erzählt: Nach einer verpatzten Prüfung an der Uni macht sich Jule (Mala Emde) mit ihrem Wohnmobil - einem alten Mercedes Hymer 303 - auf die Reise zu ihrem Freund nach Portugal. Sie gabelt an einer Raststation den gleichaltrigen Tramper und Politikwissenschaftsstudenten Jan (Anton Spieker) auf, der sich ebenfalls in einer Krise befindet und sein Leben hinterfragt.

Auf der gemeinsamen Reise beginnen philosophische Diskurse über das Küssen als Gencheck und alternative Lebensmodelle sowie - vom Regisseur autobiografisch beladene - Kritik am Kapitalismus ("das Leben als Castingshow") inklusive Kommunismus-Abhandlung. Darwins Evolutionstheorie ist ebenso Thema wie Pheromone, Neandertaler und Cro-Magnon-Menschen sowie das Immunsystem. Teils in Form von Streitgesprächen oder Diskussionen kommen sich die beiden näher, die Vertrautheit wächst.

Konstruiert wirkt das Drehbuch, künstlich die Charaktere, deren Gründe für diese Fahrt komplett nichtig werden. Aber: Mala Emde und Anton Spieker bringen Natürlichkeit und Charisma in diese Dialoge, an denen Weingartner jahrelang gefeilt hat. Ihr Spiel wirkt - oft nur in kleinen Gesten und Blicken - authentisch aus dem Leben gegriffen. Sie sind der Grund für dennoch kurzlebige 145 Minuten sinnliche Spannung, herrliche Landschaftsaufnahmen und Sympathie.