Im 20. Film aus dem "Marvel Cinematic Universe" (MCU), das, dereinst am Reißbrett entworfen, allen Helden aus dem Marvel-Comicuniversum einen eigenen Actionfilm gönnt, ist Ant-Man (Paul Rudd) erneut damit befasst, ein totaler Normalo von nebenan mit Papa-Sorgen und Erwachsenen-Infantilität zu sein, genau wie schon in seinem ersten Auftritt "Ant-Man" aus dem Jahr 2015.

Nur, dass diesmal die Marvel-Strategie, auch den weniger bekannten Helden aus dem MCU einen eigenen Auftritt auf der großen Leinwand zu geben, besser und vor allem stringenter aufgeht: Diesmal stimmen die Charaktere, die Chemie bei der Besetzung, die Twists im ohnehin dünnen Handlungsverlauf besser als in Teil eins. Diesmal, in "Ant-Man and the Wasp" ist alles reifer und noch besser auf Marvels Ziel abgestimmt, den eigenen Superhelden-Fundus finanziell wie eine Zitrone bis zum letzten Tropfen auszupressen.

Ob das gut ist? Es funktioniert bisher jedenfalls einwandfrei. Kinotauglich ist dieser Scott Lang alias Ant-Man also auf jeden Fall. Auch, wenn man den Eindruck hat, es handle sich um einen Superhelden aus der zweiten Reihe, so ist es vor allem sein durchwegs sympathischer Gesamteindruck, den er auf das Publikum macht: Lang ist kein Typ, der für seine Auftritte viel Getöse braucht, wie Iron Man oder Captain America.

Ant-Man quält sich mit alltäglichen Sorgen, kümmert sich um seine Tochter, aber kann sich eben auch auf die Größe einer Ameise schrumpfen, wenn er seinen Superanzug anhat. Nachdem er in "The First Avenger: Civil War" den Leipziger Flughafen in Schutt und Asche gelegt hat, steht er nunmehr zur Strafe unter Hausarrest, doch dann wird er von seinem Mentor Hank Pym (computertechnisch in einer Szene verjüngt: Michael Douglas) und dessen Tochter Hope van Dyne (Evangeline Lilly) zurück ins Superhelden-Dasein katapultiert:

Softe Serienstrategie

Es geht um die Suche nach Hopes Mutter Janet (Michelle Pfeiffer), die irgendwo im subatomaren Raum verschwunden ist, und die nun wieder gefunden werden will. Handlung, das war bei Marvel noch nie so wichtig. Dafür aber die Aufladung der Figuren mit Bedeutung: Als man in den 1960er Jahren den schwarzen Superhelden "Black Panther" einführte, weil es damals erstmals wichtig erschien, schwarze Bürger breit zu repräsentieren, war keineswegs absehbar, dass genau diese Figur 50 Jahre später mehr als eine Dollarmilliarde einspielen würde. Die Entwicklung, mit den B-Helden aus dem Marvel-Universum so richtig Kasse zu machen, ist neu.

Der Erfolg liegt nicht an der überragenden Erzählqualität, der rasend interessanten Storyline, oder gar an der Figurentiefe. Dahinter steckt eine gekonnt eingefädelte, softe Serienstrategie, bei der die einzelnen Filme zwar eigenständig sind, sich aber in Ansätzen in der Reihenfolge ihres Erscheinens aufeinander beziehen: Der neue "Ant-Man" wirkt da wie ein Zwischengesang zwischen dem ersten und dem zweiten "Infinity War"-Abenteuer, das uns nächstes Jahr dräut. Es ist daher durchaus ein B-Movie: Ein Pausenfüller bis zur nächsten großen Schlacht.