• vom 08.08.2018, 17:06 Uhr

Kultur

Update: 08.08.2018, 17:20 Uhr

Filmkritik

Wie man ein Fest feiert




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Von Matthias Greuling

  • Wenn Italien feiert, dann wird’s turbulent: die Dramödie "Zuhause ist es am schönsten".

Die Goldene Hochzeit von Alba (Stefania Sandrelli, stehend hinten) und Pietro (Ivano Marescotti) als Familienzusammenführung. - © Filmladen

Die Goldene Hochzeit von Alba (Stefania Sandrelli, stehend hinten) und Pietro (Ivano Marescotti) als Familienzusammenführung. © Filmladen

Wenn es etwas gibt, dass die Italiener besonders gut können, dann ist das Mode, Möbel, Caffè und quirlig-hysterische Filmkomödien, die eigentlich auch Dramen sind. Im vorliegenden Fall mit dem nichtssagenden Allerweltstitel "Zuhause ist es am schönsten" bekommt man viel von dem, was die Italiener besonders gut können. Fast schon zu viel. Denn nicht nur, dass hier eine Großfamilie auf Ischia ein lange fälliges Zusammenfinden feiert und dies natürlich in opulent-ausladenden Festivitäten zelebriert, hat der Film des hollywood-erfahrenen Gabriele Muccino auch eine leidenschaftliche Ästhetik, mit der er versucht, eine zeitgemäße "Italianità" einzufangen, eine Identität und ein Sittenbild des Landes zu zeichnen, es zu kritisieren, aber auch und vor allem: Es zu feiern, denn Italiener sind sehr stolz auf ihr Land, ihre Sprache, ihre Traditionen und ihre Familie.

Anlass für die große Familienzusammenkunft ist die bevorstehende Goldene Hochzeit von Alba (Stefania Sandrelli) und Pietro (Ivano Marescotti). Das betagte Liebespaar, das sich die Frische der Jugend erhalten hat, plant die Familienzusammenführung auf Ischia, und alles, was optisch folgt, könnte einem Spot der italienischen Tourismuswerbung entstammen.

Information

DRAMÖDIE
Zuhause ist es am schönsten
(A casa tutti bene), I 2018
Regie: Gabriele Muccino
Mit Ivano Marescotti, Stefania Sandrelli, Stefano Accorsi, Carolina Crescentini, Elena Cucci

Familienzoff

Inhaltlich ist die Harmonie allerdings weniger stark präsent, weil es selbst in italienischen Familien ordentlich Zoff geben kann (manche behaupten: gerade dort!). Das Temperament des Südens geht nämlich mit einigen Gästen durch. Da ist Ginevra (Carolina Crescentini), die neue Frau von Sohn Carlo (Pierfrancesco Favino), die bei der Feier ordentlich heiß läuft, weil auch die Ex-Frau von Carlo (Valeria Solarino) zugegen ist. Tochter Sara (Sabrina Impacciatore) hat hingegen keine Ahnung, dass ihr Gatte Diego (Giampaolo Morelli) eigentlich viel lieber bei seiner Affäre in Paris weilen würde. Und dann gibt es gar inzestuöse Anwandlungen. Mamma mia! Ausgerechnet das liebste Söhnchen von Mama Alba, Paolo (Stefano Accorsi) beginnt just auf der Party ein Techtelmechtel mit seiner Cousine Isabella (Elena Cucci). Am Ende der gloriosen Familienfeier sind alle mehr oder minder froh, dass alles vorbei ist, vor allem das Hochzeitspaar Alba und Pietro. Aber dann macht ein plötzlich aufziehender Sturm den Gästen die Rückreise von Ischia aufs Festland unmöglich.

Italienische Hektik

Im Gefüge dieser personenreichen Italo-Revue darf man sich anhand der nach Komödie klingenden Inhaltsangabe nicht täuschen lassen: Gabriele Muccino serviert nicht bloß leichte, laue Sommerluft von Italiens Küste, sondern verpackt auch einiges an Gesellschafts-Problematik in den Plot. Als kritischen Zeitspiegel der italienischen Gesellschaft kann man "Zuhause ist es am schönsten" nicht wirklich verstanden wissen, aber zwischen den Zeilen zeigt Muccino doch, wie Italien in seiner "besseren" Gesellschaft getaktet ist. Die vielen Konflikt- und Reibepunkte, die der Film aufweist, verunmöglichen einen seichten Sommerspaß, und das ist gut so. Freilich: Um dem Personenkarussell wirklich folgen zu können, sollte man italienische Hektik beherrschen. Und sich ganz viele Namen und Verwandtschafts-Verhältnisse merken können.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-08 16:14:28
Letzte Änderung am 2018-08-08 17:20:10


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