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Kultur

Update: 08.08.2018, 17:18 Uhr

Filmkritik

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Von Thomas Fanta

  • "Deine Juliet" ist auch als ein leidenschaftliches Plädoyer für die Kraft des geschriebenen Wortes zu sehen.

Lily James in der Rolle der aufgeschlossenen Juliet Ashton. - © Studiocanal

Lily James in der Rolle der aufgeschlossenen Juliet Ashton. © Studiocanal

Die amerikanische Bibliotheks- und Verlagsangestellte Mary Ann Shaffer wollte nach vielen Arbeitsjahren ihren Traum verwirklichen, selbst zu schreiben. In einer Buchhandlung am Flughafen der britischen Kanalinsel Guernsey fand sie mehrere Werke über die Nazi-Besetzung der Insel während des Zweiten Weltkriegs. Diese regten ihren Erstling als Briefroman an, den sie 2006 fertigstellte. Doch der Verlag verlangte massive Änderungen. Wegen des schlechten Gesundheitszustandes der damals 72-Jährigen gab sie diese Aufgabe an ihre Nichte, die Schriftstellerin Annie Barrows, weiter.

Den Gräuel des Kriegs entkommen

Information

Drama
Deine Juliet (The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society), GB/USA 2018
Regie: Mike Newell.
Mit: Lily James, Michiel Huisman, Matthew Goode.

Sofort nach der Veröffentlichung 2008, kurz nach dem Tod der Autorin, wurde das Buch zum internationalen Millionen-Erfolg. Bereits die Wirklichkeit wäre ein sympathischer, wenngleich trauriger Filmstoff. Der historische Roman selbst trägt den nicht ganz einfachen Titel, zu Deutsch: "Deine Juliet - Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf". Der lange Titel bezieht sich auf die Gründung eines Buchklubs, durch den man zumindest einige Stunden pro Woche den Gräueln des Kriegs entgehen konnte. Davon erfährt im London der späten 1940er Jahre die aufgeschlossene Journalistin Juliet Ashton (Lily James) durch den immer lebhafter werdenden Schriftverkehr mit einem charmanten, aber eigenartigen Mann namens Dawsey Adams (Michiel Huisman), der auf Guernsey lebt. Juliet beschließt, über den Klub zu schreiben, reist auf die Insel, lernt Dawsey schließlich selbst kennen. Natürlich verändern die Begegnung sowie der Aufenthalt selbst ihr Leben nachhaltig.

Diese Verbindung von altmodischer Romanze, Detektivgeschichte samt zeitgemäßer Geschlechtergleichheit, wird vor allem getragen durch die verletzliche wie unbeirrbare Lily James, bekannt aus dem Serien-Hit "Downtown Abbey", derzeit im "Mama Mia"-Sequel als junge Meryl Streep zu sehen. Gemeinsam mit der restlichen erstklassigen Crew wird auch ein Plädoyer für die Kraft des geschriebenen Wortes laut. Erschütternde Momente wechseln mit amüsanten Frauengesprächen ab. Der etwas zu überzuckerte Schluss tut dem Gesamteindruck kaum weh.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-08 16:14:34
Letzte Änderung am 2018-08-08 17:18:11


Kommentar

Helga Beimer gibt auf

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