• vom 15.08.2018, 16:23 Uhr

Kultur

Update: 15.08.2018, 17:40 Uhr

Filmkritik

Erdige Action braucht Brutalität




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Von Matthias Greuling

  • "The Equalizer 2" bietet brutales Actionhandwerk, verrennt sich aber auch in Klischees.

Robert McCall (Denzel Washington) ist zurück: In "The Equalizer 2" geht er auf einen brutalen Rachefeldzug. - © Sony Pictures

Robert McCall (Denzel Washington) ist zurück: In "The Equalizer 2" geht er auf einen brutalen Rachefeldzug. © Sony Pictures

Das Problem mit Sequels ist, dass sie die Stärken des Vorgängers fast nie erreichen und meist hinter den Erwartungen zurückbleiben. Dies ist auch bei "The Equalizer 2" der Fall: Die Düsternis des Erstlings von 2014 wird nun abgelöst durch eine überlange Actionhelden-Story mit viel Tageslicht. Auch "The Equalizer" hatte Probleme mit der Erzählstruktur, aber mit Denzel Washington vor und Antoine Fuqua hinter der Kamera waren diese rasch vergessen. Nun versucht sich das Duo erneut an der Figur des Robert McCall, jenes einstigen Killers, der für die Regierung gearbeitet hatte, ehe er in den Ruhestand ging. In seinem Viertel tut er nun Gutes, chauffiert alte Menschen umher oder wäscht die Grafffitis von den Häuserwänden. Wer aber ein Dasein wie McCall gefristet hat, den holt irgendwann wieder die eigene Vergangenheit ein, so will es jeder Hollywood-Film, in dem gealterte Actionhelden die Hauptrolle spielen.

Also heißt es auch für McCall: Zurück in den Ring. Seine Ex-Chefin Susan Plummer (Melissa Leo) ist in Europa einem Mordfall um einen US-Agenten auf der Spur - und wird selbst ermordet. Das kann McCall nicht akzeptieren, und er macht sich gemeinsam mit einem Kollegen (Pedro Pascal) auf, den Mörder seiner einstigen Vorgesetzten und guten Freundin zu finden und brutale Rache zu üben.

Information

The Equalizer, USA 2018

Regie: Antoine Fuqua. Mit Denzel Washington, Pedro Pascal, Bill Pullman, Melissa Leo

Action-Handwerk

Im Kanon der effektüberladenen Sci-Fi-Blockbuster, Comicverfilmungen und Fantasy-Abenteuer ist "The Equalizer 2" eine angenehme Ausnahmeerscheinung, weil er das gute, alte Action-Handwerk zelebriert und lieber auf Green-Screens und Tricks aus dem Computer verzichtet; hier lassen die Figuren noch ihre blanken Fäuste sprechen und die Action ist weit weniger waghalsig als etwa in der "Mission: Impossible"-Reihe, dafür aber brutaler. Erdige Action braucht diese Brutalität, wenn sie im Kino gegen die Effektblockbuster bestehen will. Und eine gewisse Naivität des Scripts kann auch nicht schaden. Drehbuchautor Richard Wenk hat sich sichtlich bemüht, den Fortgang der Handlung abwechslungsreich zu gestalten und mit einigen überraschenden Wendungen zu versehen, dennoch bleibt "The Equalizer 2" über weite Strecken vorhersehbar. Daran vermag auch Regisseur Fuqua nichts ändern, der das Prügel-Niveau so hoch wie möglich hält. Dank seines charismatischen Hauptdarstellers Washington gelingt ihm das großteils, denn auch bei einem Actionhelden schadet es nicht, wenn er mehr als zwei Gesichtsausdrücke darstellen kann. Insofern ist Washington dank seiner famosen Darstellerqualitäten, die er in zahlreichen Dramen unter Beweis stellte, auch für ein Actionfranchise geeignet, solange dieses auf Figurenzeichnung aufgebaut ist und nicht in heillos zusammenmontierten Actionsequenzen mündet. Genau das passiert Fuqua aber diesmal an einigen Stellen. Und leider lässt der mit zwei Stunden um eine gute halbe Stunde zu lange geratene Actionreißer auch kaum ein Klischee aus.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-15 16:32:37
Letzte Änderung am 2018-08-15 17:40:10


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Ja, früher . . . Früher hat man einen Detektiv beauftragt. Er ist der oder dem des Fremdganges Verdächtigten nachgeschlichen, zumeist bei Regenwetter... weiter





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