• vom 15.08.2018, 16:22 Uhr

Kultur

Update: 15.08.2018, 17:41 Uhr

Christopher Robin

Alte Freuden erwachen




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Thomas Fanta

  • "Christopher Robin", nicht immer gelungener Rückruf von Werten aus der Kindheit des unglücklichen Erwachsenen.

Ewan McGregor als Christopher Robin mit Winnie-the-Pooh. - © Disney

Ewan McGregor als Christopher Robin mit Winnie-the-Pooh. © Disney

Noch heute erfreut sich das in den 1920er Jahren erschienene Kinderbuch "Pu der Bär" größter Beliebtheit. Wohl mit ein Grund, warum man mit den dunklen Hintergründen der Entstehungsgeschichte, etwa der Zwiespältigkeit von Christopher Robin Milnes mit den Eltern oder der Last seiner Berühmtheit, zart umgehen musste. Damit hatte auch das im Juni auf die Leinwand gekommene Biopic "Goodbye Christopher Robin" zu kämpfen, das viel nostalgisch glattbügelte. Nach Milnes Tod verkaufte die Witwe das Buch-Recht von "Winnie-the-Pooh" an die Walt Disney Company, die das Franchise gewaltig ausbaute.

Nun kommt deren Realverfilmung ins Kino. Als Kind bereiste Christopher Robin mit seinen Fantasiefreunden das Hundertmorgenland, erlebte tolle Abenteuer. Heute ist er (Ewan McGregor) ein unglücklicher Erwachsener. Ein Workaholic, dessen öder Bürojob bei einem Kofferfabrikanten ihm alles abverlangt, er hat kaum Zeit für seine Frau (Hayley Atwell) und seine Tochter. Übrigens: In Wirklichkeit führte er ein zurückgezogenes Provinzleben, war als Tischler und Buchhändler tätig.

Information

Christopher Robin, USA 2018
Regie: Marc Forster, mit Ewan McGregor, Hayley Atwell, Bronte Carmichael

Hier jedoch treten eines Tages seine alten Plüschfreunde wieder in sein Leben, helfen ihm, längst verlorengeglaubte Werte und Freuden wieder zurückzurufen. Die originale magische Parallelwelt der Vorlage weicht hier realen Orten. Pu der Bär, Ferkel, Tigger und I-Aah sind nicht einfach Plüschtiere, mit denen Robin sprechen kann. Wenn sie sich nicht schlafend stellen, kann jedermann sehen, dass sie sich bewegen und reden. Sie entspringen also nicht seiner Fantasie, bleiben aber vor den Leuten meist verborgen. Ab und zu führt das zu Gags, die sich aber nicht so recht einzufügen vermögen.

Gut gelungen sind hingegen die eingestreuten Ernsthaftigkeiten, welche den Hauch an Melancholie wiedergeben, die dem Buch innewohnt. Auf Niedlichkeit und honigsüße Botschaft wird verzichtet, dafür werten auch liebevolle Details, perfekte Technik das Ganze weiter auf. Neben den berührenden Momenten, werden Lacher und Slapsticks eingebaut. So entsteht der Eindruck, als traute man sich nicht dem Film eine eindeutige Richtung zuzuweisen. Fantasiewelt oder Wirklichkeit, Nostalgie oder Kommerzgewinn? Was soll nun das Publikum erreichen?





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-15 16:32:40
Letzte Änderung am 2018-08-15 17:41:29


Kommentar

Besser finden - oder länger suchen?

Das Netz ist übervoll mit Information. Darin ein ganz bestimmtes Partikelchen zu finden, ist nicht immer einfach. Ohne Suchmaschinen ist es meist... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Damals, als alles einfacher war
  2. Romantik auf Knopfdruck
  3. Eroberung und Wiederhören
  4. Strahlen in Bescheidenheit
  5. Effekthascherei
Meistkommentiert
  1. Der universell Umtriebige
  2. Effekthascherei

Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.



Werbung