Weit unten, in den Tiefen des Meeres, ist der Mensch auf sich allein gestellt, abgetaucht, den Elementen überlassen. Was, wenn die Funkverbindung abbricht, wenn der Motor des Tauchgeräts versagt, wenn man unten bleiben muss? Es bliebe Sauerstoff für fünf Tage, man könnte eine Menge über das Leben nachdenken, ehe es zu Ende geht, findet Tiefseeforscherin und Biomathematikerin Danny (in rehäugiger Schlabberpulli-Perfektion gespielt von Alicia Vikander) und streicht ihrem Lover James (James McAvoy) zärtlich durchs Haar. Die beiden haben sich gerade erst kennengelernt, und schon erörtert man den Sinn des Lebens. Es ist eine zufällige Begegnung im Luxushotel am Atlantik, sie verzehren sich nacheinander, es ist eine schöne, intensive Liebe von nur wenigen Tagen, ehe das Paar wieder getrennt wird. Denn während Danny auf den Meeresgrund tauchen will, um den "Ursprung allen Lebens" zu finden, muss James als Geheimagent in Somalia um sein Leben fürchten und später gar die Steinigung einer Frau mitansehen. Die zwei Welten, die Wim Wenders in seinem neuen Spielfilm aufeinandertreffen lässt, könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch: Es war genug tiefsinniges Potenzial da, es war nicht nur der Sex oder die Körperlichkeit, die diese beiden Menschen aneinanderfesselte, sondern ihr beider Wunsch nach dem Besprechen des Lebens, dem Zerlegen des Wie, Wann, Warum, Wohin? Und weil die Trennung nach wenigen Tagen so tiefe Seelengräben bei Danny und James hinterlassen hat, ist das Getrenntsein umso schmerzvoller: Da symbolisiert sein permanent ausgeschaltetes Handy und ihr darob in grober Verzweiflung entstehendes Reinsteigern, wie wenig wir doch eigentlich sind, wenn uns die Möglichkeit genommen wird, miteinander zu reden.

Der Stoff, eine Romanvorlage von J. M. Legard, die von der Endlichkeit der Welt, von Terrorismus, Umweltverschmutzung und seelischen Krisen erzählt (und dies sehr ausführlich), ist eigentlich wie gemacht für jemanden wie Wim Wenders, der darin selbst einige seiner filmischen Lebensthemen entdeckt haben muss, sonst hätte er das Projekt wohl nicht angerührt. Es weht sogar ein Hauch seines Frühwerks durch den Film, wenn hier zwei Menschen letztlich auf der stoischen Suche nach sich selbst sind.

Philosophisches Liebespaar

Mit Vikander und McAvoy hat Wenders auch das perfekte philosophierende Liebespaar gefunden, und auch die Stimmung, der weiße Sand, das wilde Meer, die Zweisamkeit am Kamin, alles spielt hier wohlwollend zusammen, immer wieder kontrastiert von der nunmehrigen Lebensrealität der beiden, getrennt voneinander. Und doch will der Film nicht so recht funktionieren, vielleicht, weil er zu viele hehre Ideen propagiert, für die hier einfach zu wenig Platz ist, ganz anders als in einem Buch, das viel Raum für innere Monologe lässt. Das Kino aber will Bilder zeigen, und Wenders zeigt sie auch, als intensiver werdende Unterbrecher der Love-Story, die er in Rückblenden erzählt. Doch am Expeditionsschiff einerseits und bei den Dschihadisten andererseits bleibt Wenders zwar Zeit für Botschaften, zugleich entgleiten ihm aber die Figuren; sie sind dann nur mehr Statisten in einer Welt der großen Ideen.