• vom 22.08.2018, 15:59 Uhr

Kultur

Update: 22.08.2018, 16:11 Uhr

BlacKkKlansman

Im Inneren des Ku-Klux-Klans




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Von Matthias Greuling

  • Spike Lee rückt dem Alltagsrassismus in den USA mit "BlacKkKlansman" zu Leibe.

Flip (Adam Driver, l.) und Ron (John David Washington). - © Universal

Flip (Adam Driver, l.) und Ron (John David Washington). © Universal

Ende der 70er Jahre ist Ron Stallworth (John David Washington) der erste schwarze Cop in Colorado Springs. Als solcher setzt er sich in den Kopf, den lokalen Ku-Klux-Klan zu infiltrieren - er bewirbt sich telefonisch um eine Mitgliedschaft, legt sich markige Sprüche gegen Schwarze, Schwule und Juden zurecht, damit er glaubwürdig erscheint. Allein: Als der örtliche Klan-Chef Stallworth persönlich kennenlernen will, bekommt die Aktion ein Problem: Dass Schwarze in einen Club für Rassisten eintreten, ist nämlich nicht vorgesehen.

Am Telefon mit dem Neonazi

Information

Drama

BlacKkKlansman, USA 2018

Regie: Spike Lee. Mit: John David Washington, Adam Driver.

Also bildet Stallworth ein Team mit seinem Polizei-Kumpel Flip (Adam Driver). Der ist zwar Jude und damit beim Klan mindestens ebenso verhasst wie Stallworth, aber zumindest sein Äußeres erregt (vorerst) noch keinen Verdacht: Und so ist Flip Rons Vertreter bei allen Klan-Veranstaltungen. Als dann der Neonazi David Duke (herausragend: Topher Grace) mit Stallworth telefoniert und sein Kommen ankündigt, wird die Undercover-Ermittlung auf eine ordentliche Probe gestellt.

Für Spike Lee markiert "BlacKkKlansman" die Rückkehr zu alter Stärke, weil er hier in Form einer leichtfüßigen, beinahe komödiantischen Erzählung den Alltagsrassismus in den USA seziert. Die wahre Geschichte des Ron Stallworth reichert er an mit Querschlägen ins und Seitenhieben auf das Amerika des Donald Trump. Lee kontrastiert das locker-flockig inszenierte Cop-Movie, das dank der Klan-Mitglieder auch jede Menge sonderliche Gestalten zeigt, am Ende mit den realen Ausschreitungen in Charlottesville vor einem Jahr, bei der eine protestierende Frau ums Leben kam. So erhält die cool-lässig inszenierte Polizei-Aktion doch noch ihren erhobenen Zeigefinger; aber der Film kommt zur richtigen Zeit. Hinsichtlich seiner Machart zeigt Lee, wie routiniert und gefällig er Humor mit ernster Miene darstellen kann. "BlacKkKlansman" unter Trump gemacht zu haben und dabei dem Rassismus bis ans Knochenmark gerückt zu sein, ist jedoch das wahre Verdienst von Spike Lee, für das ihm ein Preis mit Signalwirkung, zum Beispiel der Oscar, gebührt.





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Dokument erstellt am 2018-08-22 16:08:45
Letzte Änderung am 2018-08-22 16:11:28


Kommentar

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