• vom 12.09.2018, 16:12 Uhr

Kultur

Update: 12.09.2018, 16:49 Uhr

Mackie Messer-Brechts Dreigroschenfilm

Ein Brecht der Extreme




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Thomas Fanta

  • Meisterlich: "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm".

"Die Dreigroschenoper ist ein Versuch, der völligen Verblödung der Oper entgegenzuwirken", lautet nur eines von vielen Zitaten, mit denen Bert Brecht provoziert. Solche Sprüche wirft er auch bezüglich Film, Theater, Publikum, Kunst, Politik, Geldwirtschaft und mehr um sich. "Brechts Dreigroschenfilm" beginnt am Abend des 31. August 1928 mit dem überwältigenden Erfolg von "Die Dreigroschenoper" bei der Berlin-Premiere. Ein Produzent will den Autor für das Kino gewinnen. Doch Brecht, gespielt von Lars Eidinger, zeigt der Filmindustrie seine scharfen Zähne. Er will eine schärfere, antikapitalistische Version einbringen. Aber mit gesellschaftlicher Radikalität ist kein Geld zu machen.

Die Diskrepanzen landen vor Gericht, geraten als "Dreigroschenprozess" zum Kulturskandal. In diesem Rahmen, von Premiere bis zum Urteil wird der Bogen von Kunst zu Wirklichkeit in einem anspruchsvollen Puzzle ausgeschöpft. Der Hauptakzent liegt bei der Vorstellung von Brecht, wie sein Film aussehen sollte. Visionäre Szenen wechseln einander rasch ab. Vor seinen Augen nimmt die pointierte Dialektik der Dreigroschenoper-Filmversion Form an. Durch den Kampf des Londoner Gangsters Macheath (Tobias Moretti) mit dem Kopf der Bettelmafia Peachum (Joachim Król).

Information

Drama
Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm, D/B 2018
Regie: Joachim A. Lang.
Mit: Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung.

Die intelligente, mäandernde Inszenierung spricht auch jene an, die mit Brecht oder seinen Werken wenig vertraut sind. Extrem, aber ein auch heute total aktuelles Meisterwerk.



Video auf YouTube





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-09-12 16:21:04
Letzte Änderung am 2018-09-12 16:49:29


Kommentar

Wenn der Meme den Spaß verliert

Facebook hat einen neuen Trend, der auf den ersten Blick harmlos daherkommt. Bei der "#10yrChallenge" sollen zwei Fotos gepostet werden... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Spannung der Stille
  2. Sharon Van Ettens Wandel mit Zuversicht
  3. James Blake entdeckt die Liebe
  4. Micah P. Hinson: Apokalypse mit Gitarre
  5. Mit Furor zum Feuerzauber
Meistkommentiert
  1. "Kammermusik ist fast wie Urlaub"
  2. Martha, Martha, du entschwandest

Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913



Werbung