• vom 12.09.2018, 16:13 Uhr

Kultur

Update: 12.09.2018, 16:36 Uhr

Filmkritik

Die Trauer hat kein Ende




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias Greuling

  • Trauerarbeit: "Bruder Jakob, schläfst du noch?"

Trauerarbeit ist vielgestaltig und endlos. Stefan Bohun hat in seinem Dokumentarfilm "Bruder Jakob, schläfst du noch?" seine und die Trauer seiner Brüder verarbeitet, die allesamt ihrem toten Bruder Jakob gilt. Jakob hat sich umgebracht, und die Fragen, die dadurch aufgeworfen werden, sind elementare Fragen des Daseins; darunter befindet sich auch die scheinbar banale Frage nach dem Warum.

Die filmische Spurensuche nach der Antwort beginnt für Bohun in den Tiroler Bergen, wo Jakob immer wieder schon als Kind gewesen war, und führt über Archivaufnahmen aus der Kindheit- und Jugendzeit der Brüder, über die Orte in Portugal, wohin der Bruder ausgewandert war und wo er in einem Spital als Arzt arbeitete, bis hin zu einem Endpunkt: Ein Hotelzimmer im portugiesischen Porto, in dem er sich das Leben nahm.

Information

Dokumentarfilm
Bruder Jakob, schläfst du noch?, Ö 2018
Regie: Stefan Bohun

Die Gedanken der Brüder kreisen viel um Vergänglichkeit und um die Frage, welche Familien-Verantwortung hinter dem Ableben von Bruder Jakob eigentlich steht. Der Film versucht den schmalen Grat zwischen Trauerspiel und distanzierter Aufarbeitung: Die Brüder müssen sich auch manchmal mit viel Körperkraft aneinander reiben, um die Gefühle zu verarbeiten.

Die Gründe für den Selbstmord werden bloß angedeutet, aber nicht auserzählt. Damit bewahrt sich "Bruder Jakob, schläfst du noch?" vor dem Fehler, für einen komplexen Umstand einfache Antworten zu finden; gerade darin liegt seine Qualität: Im Unausgesprochenen die ganz großen Emotionen zu verorten.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-09-12 16:24:06
Letzte Änderung am 2018-09-12 16:36:04



Kommentar

Kunst und Moral

Schon wieder der Gabalier! Nachdem der österreichische "Volks-Rock’n’Roller" den Karl-Valentin-Orden einer Münchner Faschingsgilde... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Hausaufgaben versauen die Lust"
  2. Billie Eilish: Teenage Angst und leiser Horror
  3. Uli Datler Quintet: Stingfluenced
  4. Jessica Pratt: Kindlich und unendlich alt
  5. Protestsongcontest 2019: Lieder gegen Grenzmauern und Gabionen
Meistkommentiert
  1. Grammys: Ein Hoch auf die Frauen
  2. Billie Eilish: Teenage Angst und leiser Horror

Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.



Werbung