"Dieses Werk muss unmittelbar nach der Phantastischen Symphonie aufgeführt werden, deren Anhang und Schluss es bildet", schrieb Hector Berlioz über "Lélio ou Le Retour à la vie", und genauso geschah es am Wochenende im Musikverein. Die Symphoniker spielten das rare Stück mit der vertrackten Handlung, Philippe Jordan dirigierte - und das ziemlich gut. Schon in der "Symphonie fantastique" trifft er in jedem der Sätze das ideale Tempo. Der Walzer schwebt mit gut geführtem Melodiebogen und der nötigen Leichtigkeit durch den Saal; auch im Allegretto stimmt die Geschwindigkeit, mit der die Musiker dahingaloppieren und ihrem Spiel Nachdruck verleihen. Hie und da holpern die Übergänge, doch man verzeiht es Jordan, der die Geigeneinsätze immer wieder zurückhält, um sie erst im richtigen Moment herauszulassen, und damit die Spannung immens verstärkt.

In "Lélio" darf zu diesem Zweck auch der Lichttechniker ein wenig mitspielen und den Saal abdunkeln. Die Sprechtexte zwischen den Musikstücken rezitiert Markus Meyer auf Deutsch in exaltierter Manier, was umso übertriebener wirkt, wenn man die bodenständige, doch poetische Rezitation zum Beispiel eines Gérard Depardieu im Ohr hat.

Durchwachsene Leistung

Abgesehen vom Wiener Singverein überzeugen auch die Sänger nur auf halber Strecke: Tenor Cyrille Dubois lauscht man in ständiger Angst, die Stimme könnte die hohen Lagen nicht aushalten, Bariton Florian Sempey zeigt sich sicherer. Jordan aber dirigiert auch hier mit Feingefühl. Ihm gilt der begeisterte Beifall am Schluss.