Experimentator: Roman Haubenstock-Ramati. - © Till-Borchardt
Experimentator: Roman Haubenstock-Ramati. - © Till-Borchardt

Sein Konzert am späten Samstagnachmittag begann das Klangforum Wien mit Alter Musik - zumindest könnte, wer das übliche Repertoire des Neue-Musik-Ensembles kennt, das Klaviertrio von Artur Malawski als solche empfingen. Der nachdenklich-melancholische Duktus des polnischen Komponisten fungierte als optimale Folie, um den Generationenbruch zu verdeutlichen, der das Werk seines Schülers Roman Haubenstock-Ramati (1919-1994) von dem seinen trennt: von erweiterter Tonalität zur Auflösung nicht nur aller tonalen Bezüge, sondern auch des musikalischen Kunstwerks als vom Komponisten festgelegter Einheit.

Haubenstock-Ramati, dem dieses Konzert im Rahmen von Wien Modern gewidmet war, ging mit seinen musikalischen Grafiken über die Offenheit grafischer Notation noch hinaus, indem er die bildliche Darstellung zur Essenz der Komposition erklärte, die bei jeder Interpretation ein völlig anderes Gesicht erhält. Von traditioneller Notation bis zu diesem Extrempunkt reicht das Experimentierfeld, das der Wahlwiener mit einer Vielzahl an Zwischenstufen füllte. Davon zeugte das noch konventionell notierte Streichtrio "Ricercari" ebenso wie der Mobile-artige Aufbau von "Jeux" und das von Bernhard Lang vervollständigte "Morendo - double/echo" für Bassflöte und Elektronik.

Das Herzstück bildeten Haubenstock-Ramatis "Konstellationen" von 1971, wobei die Verteilung (und Bewegung) der Interpreten in der Säulenhalle des Semperdepots einer Musik angemessen erschien, die eher einen dreidimensionalen Charakter annimmt, als der Vorstellung einer linearen Entwicklung zu entsprechen - auch der Titel impliziert ja neben der Veränderlichkeit die Ausdehnung im Raum. Das hohe Maß an Freiheit und Verantwortung, das der Komponist den Ausführenden auferlegt, erfüllten die Mitglieder des Klangforums mit einem differenzierten Spiel zwischen behutsamer Annäherung und hochvirtuosem Powerplay.