Es sind die Spannweite seiner Stimme und seiner gestalterischen Mittel, die Florian Boesch als Liedgestalter auszeichnen. Da ist diese volle Tiefe seines kompakt geführten Bassbaritons, die er mitunter kraftvoll zum intensiven, ja eruptiven Wüten verdichtet. Und dann ist da eine beinahe ins Falsett kippende luftige Zartheit in der Höhe, die Boesch bis an die Grenzen des Hörbaren zurückzunehmen vermag. Dazu ist Boesch höchst präzise in der Artikulation, bei Schuberts "Winterreise" im Konzerthaus versteht man am Montag jedes Wort. Boesch zeigte dabei im Mozart-Saal, dass er dieses breite Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten nicht nur besitzt, sondern es auch sehr bewusst und wohldosiert damit umzugehen versteht. Dabei giert er nie nach Schönklang, sondern nach emotionaler Stimmigkeit, scheut auch vor vokaler Brüchigkeit nicht zurück.

Die keinen Verzögerungen, sie erinnern an das stolpernde gebrochene Herz der winterlichen Reisenden; dazu die flackernde Wut, die leise Rauchigkeit und der feine Erzählton in der Mittellage - all diese Nuancen zeichnen Boesch als charaktervollen Gestalter aus, der den Zyklus ganz zu dem seinen macht. Mit seinem ebenfalls Lust an der Kontrastierung, ja gar der Verknappung einbringenden Klavierpartner Malcom Martineau feilt Boesch an einem absolut heutigen, intensiven und mitreißenden seelischen Reisebericht. Eine Interpretation, die auch ihre Schattenseiten kennt: Der Raum zum Atmen und der Platz zum Fließen, der war für die Lieder selbst in diesem engmaschigen Gestaltungskorsett überschaubar.