Das jüngste Solistenkonzert an der Wiener Staatsoper war wohl das bislang ungewöhnlichste der Reihe. Seit Februar 2017, wir erinnern uns an den Opernball desselben Jahres, sind Tenor Andreas Schager und Geigerin Lidia Baich Mann und Frau. Nun gestalteten die beiden ein Programm, in dem sich ihre "Instrumente" mehrmals berührten, um dann wieder eigene Wege zu gehen. So gesellte sich Lidia Baich mit ihrer Geige beim Lied "Träume" hinzu und ließ Wagners "Wesendonck-Lieder" direkt in das von ihr und Matthias Fletzberger erstellte Arrangement von "Isoldes Liebestod" (an diesem Abend mit Klaus Sallmann am Klavier) übergehen. Ein schlüssiger dramaturgischer Zug. Weniger stimmig geriet die Verflechtung in dem Richard Strauss gewidmeten Konzertteil: Nach der anheimelnden Intimität im "Ständchen" wirkte der Finalsatz aus der Violinsonate op. 18, eine Parforcejagd technischer Effekte, schlicht wie ein Fremdkörper.

Lidia Baich ist mit den von ihr präsentierten Werken eng verwachsen, Prokofjews "Romeo und Julia", Rimski-Korsakows "Scheherazade". Der ausgewiesene Wagner-Sänger Schager wiederum gab seine Lieder in der Manier eines Opernabends, getragen von großen Gesten und viel Deklamation - ganz gleich, ob Wagner, Beethoven oder Strauss. Mit hoher Wortdeutlichkeit, der ihm eigenen tönenden Kraft und sichtlicher Freude am Tun konnte der Tenor seine Fangemeinde begeistern. Bisweilen war’s aber doch zu viel der gestalterischen Freiheit. Am Ende animierte Schager das Publikum gar zum Mitsingen bei Puccinis "Nessun dorma". Wie gesagt, ein ungewöhnlicher Abend.