Agata Zubel komponierte und sang selbst ihre "Cleopatra". - © Jakub Pajewski
Agata Zubel komponierte und sang selbst ihre "Cleopatra". - © Jakub Pajewski

"Die Rede sei die Herrin der Harmonie, nicht ihre Dienerin" - mit diesen Worten hatte Claudio Monteverdi im Vorwort zu seinem fünften Madrigalbuch die zentrale Rolle des gesungenen Wortes festgeschrieben. Dasselbe ließe sich über die Musik von Agata Zubel sagen, die den diesjährigen Kompositionspreis der Erste Bank zuerkannt bekam. Ihr dafür entstandenes Werk "Cleopatra’s Song" wird ganz vom Gesang getragen, den die Komponistin bei der österreichischen Erstaufführung selbst realisierte - wobei es ebenso wie bei Monteverdi weniger um die Ausdeutung einzelner Wörter als um die Affekte geht. Wie die tragischen Heldinnen des Barock wird Zubels Kleopatra zwischen gegensätzlichen Stimmungen hin- und hergerissen: Aufregung, Unsicherheit, Leidenschaft finden ihren Ausdruck in hektischem Parlando, gehauchten Wortfetzen oder Schreien in den höchsten Tönen. Das Ensemble, hier das gewohnt versierte Klangforum unter der Leitung von Johannes Kalitzke, verleiht der Stimme auf unprätentiös-funktionelle Weise Resonanz. Zubels fesselnde Gesangsdarbietung schuf einen Spannungsbogen, der das halbstündige Werk mühelos trug.

Im Gegensatz zu diesem pragmatischen Zugang zum Komponieren präsentierten sich die an diesem Mittwoch uraufgeführten "Fünf Ostinati" von Wolfgang Schurig mit einem gewissen gravitätischen Ernst. Der Zyklus für Sopran und 14 Instrumente erinnert im großen Ton und der satten Klanglichkeit an die Tradition des spätromantischen Orchesterlieds und erscheint so als unbestimmte Evokation des Vertrauten, deren doppelter Boden sich nicht ohne Weiteres erschließt.

Im Kontrast dazu stand "Kurzzeit III" von Friedrich Cerha, ein leichtfüßiges Zusammenspiel vertrackter Rhythmen und plötzlicher Stimmungswechsel, komponiert mit der überlegenen Freiheit des großen alten Mannes.