Wien. (irr) Seit 1988 hallt seine sonore Stimme durch die Direktionsräume des Musikvereins. Diese Tage sind gezählt: Thomas Angyan, Intendant der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, verlängert seinen Vertrag nicht über das Jahr 2020 hinaus. Es sei an der Zeit, "das Ruder an die nächste Generation weiterzugeben", erklärt der 65-jährige Musikmanager in einer Presseaussendung. Am Mittwoch gab er dies in der Generalversammlung der Gesellschaft bekannt.

In seiner Abschluss-Saison wird der gebürtige Wiener noch einmal Grund zum Jubeln haben: Schließlich fällt der 150. Geburtstag des Musikvereinsgebäudes in die Spielzeit 2019/20. Man wird dann freilich auch auf die Erfolge einer 32-jährigen Amtszeit zurückblicken können. In der Ära Angyan wurden unter anderem die Vier Neuen Säle im Souterrain gebaut, das gesamte Gebäude saniert und klimatisiert sowie die Orgel des Goldenen Saals aufwendig renoviert. Zudem hat sich die Konzertdichte gesteigert: In der vorigen Saison sah der Musikverein mehr als 400 Eigen- und 300 Fremdveranstaltungen. Dabei ist auch das Jugendangebot ausgebaut worden und wird jährlich von mehr als 50.000 Kindern und Jugendlichen besucht. Alleinstellungsmerkmal des Musikvereins ist freilich ein Großaufgebot an Gastorchestern, das weltweit seinesgleichen sucht. Rekordverdächtig auch, dass das Haus mit einer nur zweiprozentigen Subvention sein Auskommen findet.

Kontinuität erwünscht

Johannes Stockert, Präsident der Gesellschaft der Musikfreunde, streut Angyan Rosen. "Durch sein großes persönliches Engagement hat er zahlreiche herausragende Künstlerinnen und Künstler freundschaftlich und dauerhaft mit unserem Haus verbunden." Angyans "lange, beispiellos erfolgreiche Ära" habe "die Voraussetzung geschaffen, dass der Musikverein auch in Zukunft zu den glänzendsten Kulturinstitutionen weltweit zählen wird". Die neue Führungsfigur soll bis zum Ende des ersten Quartals 2019 gefunden sein. An der klassischen Ausrichtung des Hauses, so versichert Stockert am Telefon, werde sich nichts ändern.