Rudi Stephan zählt womöglich zu den bekanntesten unter den vergessenen Komponisten. Bereits zu seinen Lebzeiten, die nur 28 Jahre andauerten (1887-1915), galt er als großes Talent. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Wiener Philharmoniker präsentierten am Wochenende seine "Musik für Orchester in einem Satz": Das Stück positioniert sich zwischen Spätromantik und Moderne, bietet ein breites Spektrum an Klangfarben, wirkt modern und qualitätvoll - oder, wie der Durchschnittsösterreicher sagen würde, modern, aber trotzdem gut. Die Philharmoniker nähern sich dem Werk unter Dirigent Kirill Petrenko mit spürbarer Neugier, schöpfen die klanglichen Möglichkeiten gut aus.

Ebenfalls auf dem Programm: Richard Strauss’ "Metamorphosen für 23 Solostreicher", wunderbar zart und gefühlvoll interpretiert, allen voran durch Konzertmeister Rainer Honeck, der in seinen Soloparts mit großer Bescheidenheit und doch dermaßen au point auftritt, dass es eine Freude ist.

Ein Orchesterkampf

Solistische Stimmen - von Streichern wie Bläsern - glänzen dann auch in Brahms’ Vierter Symphonie durchwegs. Petrenko zeigt Mut zur Phrasierung, gestaltet das Andante - dem es nur etwas an Brillanz fehlt - sehr getragen, um im folgenden Allegro loszufeuern und im letzten Satz in Sachen Energie noch eines draufzusetzen. Ein wahrer Kampf entspinnt sich, die Bässe stampfen, die Geiger schlagen zurück: Es entsteht eine Kraftspirale, die einen taumelnd zurücklässt und manches fehlende Spannungsmoment vergessen macht.

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