Klaus Nomi lebt. Diesen Eindruck konnte man zumindest bei einem Konzertabend im Mozart-Saal gewinnen, dessen Hauptteil dem legendären Pop-Phänomen gewidmet war. Der zu früh verstorbene Musiker faszinierte Anfang der Achtzigerjahre mit seiner Falsettstimme, retro-futuristischen Bühnenshows und Bearbeitungen klassischer Musikstücke, die er mit zeitgenössischer New-Wave-Ästhetik zu ironischen Hybriden verschmolz. Von Zitat und Überschreibung lebt auch Olga Neuwirths "Hommage à Klaus Nomi", die vor sechs Jahren bei Wien Modern in einer szenischen Version zu erleben war. Nachdem die diesjährige Ausgabe des Neue-Musik-Festivals der Komponistin zwei Abende widmete, würdigte das von Sylvain Cambreling geleitete Klangforum Wien sie nun mit einem Porträt.

Neuwirths "Hommage" lässt die Gesangspartie der Nomi-Songs intakt und unterzieht die Begleitung einer Dekonstruktion, was durch die Beibehaltung des eingängigen Vokalparts allerdings störend wirkt. Besser gelingt die Aktualisierung im Bereich der Barockoper, so bei "Awake from Winter" nach Purcells "Cold Song", wo der langsamere Puls mehr Raum zur alternativen Gestaltung der Instrumentalstimmen lässt.

Immerhin hat Neuwirth in Andrew Watts einen kongenialen Interpreten gefunden - einen Countertenor, der die Songs stimmlich und performativ mit Leben füllt. Davor erklangen "Hooloomooloo" und "Un posto nell’acqua (Melville Skizze 1)", wo Neuwirth auf bewährte Weise Bedrohliches hinter der Oberfläche des Vertrauten anklingen lässt.