Intensität und Ausdrucksbreite, Ekstatik und Erhabenheit: Die Musik von Anton Bruckner weckt allerorts Enthusiasmus. Wenn die Wiener Philharmoniker das Werk des Symphonikers spielen, kommt noch eine weitere Komponente hinzu: eine feierliche, fast weihevolle Aura.

Diese war am Donnerstag bereits am Weg in den Goldenen Musikvereinssaal spürbar, vermengt mit der Vorfreude auf das Dirigat von Riccardo Muti - und natürlich darauf, dass Karl-Heinz Schütz davor als Mozart-Solist mit "seinem" Orchester auftreten würde. Im Orchesterverband auf höchstem Niveau zu musizieren ist eine Sache, als Einzelperson aus den Reihen hervorzutreten und sich der Kollegenschaft zu stellen eine andere. Wunderbar gelang das Flötenkonzert in G-Dur KV 313. Reizvoll, selbstbewusst und anregend wirkten sowohl der von Schütz gestaltete Solopart als auch das inspirierte gemeinsame Musizieren.

Nach der Pause dann Bruckners Siebente Symphonie in E-Dur - jenes Werk, das dem so lange unverstandenen, belächelten Meister endlich zum Durchbruch verhalf. Fabelhaft klangen die Wiener Philharmoniker: intensiv und dicht die Streicher, akkurat die Blechbläser, biegsam die Holzbläser. Ganze 70 Minuten dauerte das Werk an diesem Abend: eine außergewöhnliche, dabei aber gediegene Länge. Kritikerpapst Eduard Hanslick hätte da natürlich sofort von der "symphonischen Riesenschlange" gesprochen. Das musikalische Geschehen geriet jedoch keinen Moment ins Stocken, schritt unter Riccardo Muti unbeirrbar voran.