Gestaltungsstark: Tenor Michael Schade. - © Harald Hoffmann
Gestaltungsstark: Tenor Michael Schade. - © Harald Hoffmann

Es heißt, "Messiah" sei das letzte eigene Werk gewesen, das Georg Friedrich Händel vor seinem Tod in einer Aufführung erlebt hätte. Das Grabmal in Westminster Abbey zeigt den Komponisten mit dem Notenblatt der Arie "I know that my redeemer liveth" ("Ich weiß, dass mein Erlöser lebet"). Nicht ohne Grund fanden Händel und sein "Messias" Eingang in Stefan Zweigs Sammlung "Sternstunden der Menschheit".

Musikalische Sternstunden bescherten am Donnerstag auch die Interpreten des Werks unter der Leitung von Erwin Ortner im Musikverein, allen voran der Arnold Schoenberg Chor. Welch’ ein fantastischer Chorklang! Ausgewogen, transparent und dicht zugleich, mit kerniger Zartheit. Wie mit einer Stimme, einem Atem. Leicht und anmutig klangen die Damen, selbst in den höchsten Höhen; ungemein aktiv agierten die Herren. Souverän folgte der Chor dem musikalischen Geschehen, das von der Lautten Compagney Berlin wunderbar in Töne gesetzt wurde. Das Barockensemble war dem Chor ein idealer Partner: feinfühlig reagierend, stets im Dienste der Komposition, mit federndem Groove. Dieses kollektive Mitschwingen im ganzen Saal ist ein herrlicher Effekt bei Konzerten mit Barockmusik.

Ortner wählte stimmige Tempi und fand eine kluge Mischung aus Vorgabe und Freiraum zur Entfaltung. Großartig das Solistenquartett Cornelia Horak, Sonia Prina, Michael Schade und Simon Bailey: Alle vier begeisterten mit individueller Gestaltungskraft. Am Ende stehende Ovationen für diese so animierte und gleichermaßen animierende Darbietung von Händels "Messiah".