Andrey Kaydanovskiy hatte es bereits im Vorfeld angekündigt: Die Ballettstücke des Neujahrskonzerts sollen heuer als "Gegengewicht zur historischen Musik und Architektur" wahrgenommen werden. Ein Traditionsbruch ist dem Choreografen und Tänzer des Wiener Staatsballetts damit nur theoretisch gelungen, in der Umsetzung fehlt es dem mehrfach ausgezeichneten Jungchoreografen an Biss: In "Künstlerleben" von Johann Strauß Sohn zeigen etwa Olga Esina und Jakob Feyferlik wie gewohnt ein harmonisches Zusammenspiel, doch ihr technisches Können - wie auch bei den weiteren Tänzern des Wiener Staatsballetts -, ist nur zu erahnen. Wenn dann auf einem Polstermöbel der Staatsoper gehüpft wird, erinnert die Choreografie eher an eine wenig geschmackvolle Kasperliade.

Dazu passend die Kostüme des heimischen Designers Arthur Arbesser, der erst kürzlich mit dem Outstanding Artist Award für experimentelles Modedesign ausgezeichnet wurde: Manche Kleider zitieren harlekinesque Muster und sind schlicht gehalten, andere wiederum schmeicheln den Tänzerinnen in ihrer Tüll- oder Federnpracht wenig. So auch im zweiten Ballettstück, dem Csárdás aus "Ritter Pázmán" aufgenommen im Schloss und Park von Grafenegg. Hier plätschert die Choreografie unaufgeregt vor sich hin, von Zitaten aus dem folkloristischen Csárdás-Schrittrepertoire sieht Kaydanovskiy komplett ab.

Wenn das Wiener Staatsballett überhaupt einen Traditionsbruch beim Neujahrskonzert braucht, dann sollte er wirklich radikal ausfallen.

Neujahrsballett

Andrey Kaydanovskiy (Choreograf)

Wiener Staatsballett