Götterszene: Tomasz Konieczny (Wotan) mit Sophie Koch (Fricka). - © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn
Götterszene: Tomasz Konieczny (Wotan) mit Sophie Koch (Fricka). - © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Die Untertitel-Anlage sprang erst nach 30 Minuten an, auch der Elan ließ auf sich warten: Als die Staatsoper am Samstag Wagners "Ring des Nibelungen" fortsetzte, herrschte zu Beginn dieser "Walküre" vor allem gute Ordnung. Das Orchester stellte seine Noten sauber im Luftraum ab - was keine Meisterleistung war, aber auch kein Geringes angesichts des Umstands, dass vor diesem ersten Wiener "Ring" unter Dirigent Axel Kober keine Probe mit dem Personal im Graben stattgefunden hatte.

Nach rund einer Spielstunde aber (und dem "Rheingold" davor) erwärmten sich beide Seiten doch so nachhaltig füreinander, dass Flamboyantes geschah: Der restliche Abend wurde mit Intensität befüllt; die kolportierten Misstöne, die das "Rheingold" getrübt hatten, schrumpften am Samstag zur vernachlässigbaren Größe. Zum Glanzlicht geriet dabei jenes Thema, das im Finale der "Götterdämmerung" aufblüht, sich aber schon am "Walküren"-Ende satt aussingt.

Letzteres ist auch über Tomasz Konieczny zu sagen: Eine nibelungentiefe Verneigung vor diesem Wotan, der nicht nur die nötigen Bärenkräfte besitzt, sondern auch die Eleganz, um der Marathonpartie gehauchte Töne und zarte Gesten einzuweben. Noch das letzte Wort, das gefürchtete "Nie", setzte er klangvoll und klug. Jubel auch für Christopher Ventris, diesen sicheren Siegmund mit Tobias Kehrer als passablem Hunding-Gegner. Verlass war auch auf die Stimme von Sophie Koch, die den Part der Fricka erstmals erkundete. Abstriche indes bei zwei zentralen Frauen: Martina Serafin, kurzfristig eingesprungen, stemmte die Sieglinde-Partie wuchtig, doch zuletzt unter Aufbietung aller Kraft; Iréne Theorin (Brünnhilde) ließ es ebenso wenig an Einsatz fehlen, doch von Beginn an fallweise an Intonationssicherheit. Trotzdem: Ein packender Abend in memoriam von Parade-Wotan Theo Adam.