Das Cellokonzert von Antonín Dvořák gehört zum Standardrepertoire Gautier Capuçons, eine Aufnahme gibt es etwa mit Paavo Järvi und dem hr-Sinfonieorchester. Nun präsentiert er es unter Alan Gilbert gemeinsam mit den Wiener Symphonikern.

Gilbert wählt dabei den Weg der Mitte, sprich, er vermeidet Extreme. Während etwa Järvi den Wechsel zwischen dem bei ihm pompösen Einstieg ins Konzert und dem folgenden Stimmungswechsel brutal gestaltet, fällt dieser bei Gilbert gemäßigt aus. Der ganze Raum wird Capuçon zugestanden - und dieser nimmt ihn gerne ein. Allerdings füllt er ihn weniger mit klanglicher als mit körperlicher Präsenz. Denn der Franzose scheint vor Gefühl zu vergehen, während die Musik, die ruhig etwas mehr bodenständige Expression, Leichtigkeit und Klangfarben vertragen würde, zu kurz kommt. Der Höhepunkt ist erreicht, wenn der Konzertmeister und Capuçons einander gegenseitig zuspielen und man sich fragt, wer mehr schmachtet. Bei einem Cellisten dieses Kalibers erhofft man sich halt etwas mehr Tiefenschau.

In der zweiten Hälfte beruhigt sich die Szene mit Dvořáks "Polednice" wieder, die Spuren reiner Gefühligkeit sind wie weggewaschen, und in Leoš Janáčeks Sinfonietta bekommt man einen Eindruck davon, wie die Streicher klingen könnten, würde man nur ein bisschen mehr am Klang arbeiten. Imposant aber die Blechbläser, wenngleich es gesamt an feinen Phrasierungen fehlt und der Interpretationsansatz undurchsichtig bleibt.