Die Stille zwischen den Noten ist, wie wenn "Schnee auf Schnee fällt", sagte einst Claudio Abbado. Diese poetisch aufgeladene Vorstellung erscheint ein schöner Zugang zur Neunten Symphonie Gustav Mahlers. Dieses "Nichts an Klang", das man dennoch akustisch erfahren kann, haben die Wiener Philharmoniker unter Michael Tilson Thomas eindrucksvoll vorgeführt.

Während draußen im Zuge der Donnerstagsdemos laut marschiert wird, schreitet man hier wie als Gegenkonzept bedächtig durch die einzelnen Sätze dieser Symphonie, bei der Mahler, wie er selbst sagte, "blind darauf losgeschrieben" hat. Zwei ruhige Sätze, die zwei flottere umrahmen. Unüblich, zu seiner Zeit. Schon der sukzessive Spannung aufbauende erste Satz gelingt den Philharmonikern. Auch in den zweiten Satz findet Tilson Thomas über einen geglückten Einstieg und entwickelt einen guten Drive. Am schwierigsten gestaltet sich wohl das "sehr trotzige" Rondo, in dem es, salopp gesagt, ein wenig drunter und drüber geht: kompositorisch gesehen, aber auch in der Feinabstimmung zwischen den Musikern, den Tempowechseln, den Einsätzen. Man spielt gegeneinander an, was ja durchaus gewollt ist und was dann in dem atemberaubenden Final-Adagio wieder aufgelöst wird. Denn hier - und dieser Satz ist tatsächlich wie für die Philharmoniker geschrieben - scheint die Zeit stehenzubleiben, während die Streicherklänge strömen und Einklang hauchen. Dass es nach zwei Stunden und dem letzten Nachfedern im Pianissimo dann doch vorbei ist, möchte man eigentlich gar nicht wahrhaben.

Konzert

Wiener Philharmoniker

Michael Tilson Thomas