Dieses Knistern. Ein vollbesetzter Saal mit einem Publikum, das gespannt den Atem anhält um ja nichts zu versäumen, keinen Ton, keine Regung im Gesicht des Pianisten. Igor Levit hat seine Zuhörerschaft wahrlich in der Tasche. Zu Recht. Angesichts der technischen Meisterschaft, die der Musiker besitzt, nimmt es nicht wunder, dass er gerne bis an die Grenzen geht. Manche Piano-Passagen einem Federstrich gleich bloß hintupft. Akkorde so zart arpeggiert als wären sie aus Spinnweben. Das Diskantregister mit Gold überzieht. Mit allen pianistischen Tugenden ausgestattet, überspannte er dieses Mal jedoch den Bogen.

Nicht Ludwig van Beethovens Drittes Klavierkonzert kam zur Aufführung, sondern Igor Levits persönliche, ja manierierte Sicht auf das Werk. Der Auftritt am Dienstag im Konzerthaus ähnelte einer One-Man-Show, bei der die Komposition kaum, der Interpret dafür allzu sehr im Vordergrund stand. Am stärksten zeigte sich dieses Ungleichgewicht im zweiten Satz. Levit wählte ein derart langsames Tempo, dass das Largo einfach zerfallen musste. Nicht einmal die wacker mitmusizierenden Wiener Philharmoniker vermochten dies zu verhindern. Im Rondo verhinderten die überpünktlichen Einsätze und Phrasenabschlüsse Levits ein beglückendes Gesamtergebnis.

Begonnen hatte der Abend - Abschluss einer Kurztournee - vielversprechend mit Charles Ives‘ "Decoration Day". Die Zweite Symphonie von Johannes Brahms wirkte schließlich, trotz einer untadeligen Orchesterleistung, unter der wenig aussagekräftigen Leitung von Michael Tilson Thomas vor allem matt und bleischwer.