Für die Cappella Andrea Barca gab’s bei der Salzburger Mozartwoche am Sonntag die Goldene Mozart-Medaille. Deshalb - Pardon, Cecilia Bartoli! - muss diesmal unbedingt zuerst von Sir András Schiff und seinem Orchester die Rede sein. Die Schifffahrt auf der imaginären Andrea Barca hat 1999 in Salzburg begonnen, daraus sind nun zwei Jahrzehnte geworden. Auch wenn Sir András mit seinem Orchester gar nicht selten unterwegs ist - von Vicenza über Luzern bis in die USA, ist die Mozartwoche doch ein Nukleus für ihn und sein Ensemble geblieben. Schiff setzt längst interpretatorische Referenzmarken.

Diesmal etwa am Beispiel des Klavierkonzerts B-Dur KV 450. Die ultimative Denkwürdigkeit dieser Interpretation war der Finalsatz. Faszinierend herausgezeichnet waren manch rhythmische Auffälligkeiten, so überhaupt nur umzusetzen, wenn die Stimmführer im Orchester sich quasi als Sub-Dirigenten mit spitzen Ohren für Partnerschaften und Allianzen emanzipieren.

Vor der Pause drei Dialoge mit Cecilia Bartoli, die exemplarisch vorgezeigt hat, dass sie Charisma und kammermusikalisches Sich-Zurücknehmen in Einklang bringt: Man nehme nur das Arien-Rondo Non temer, amato bene KV 505, das Mozart für seine erste Susanna, Nancy Storace, und sich als Pianisten komponiert hat. Kann gut sein, dass die Storace auch so eine Art Bartoli war, die ihre Koloraturen zwar ausreizt, als ob sie von Rossini zugespitzt wären, diese aber zugleich punktgenau festmacht an den nicht minder klar konturierten lyrischen Linien des Soloklaviers. Vielsagend und spannend.